Kaiser´s Reiselogbuch


Rund Bornholm 2001womo-pictogramm

Bornholm, mit den Erbseninseln, ist die östlichste dänische Inselgruppe. Aus der westlichen Ostsee ist sie zwar gut zu erreichen, mit einem Segelboot wird es bei einem Wochentoern aber zeitlich sehr knapp.
Eine Alternative wäre, als Start- und Zielpunkt, sich einen Hafen in den neuen Bundesländern auszusuchen. Wir wählten dieses Mal die Marina Neuhof am Strelasund als Ausgangsbasis.

Wegekarte Bornholm

Durch den Greifswalder Bodden, an der Ostküste Rügens, an langen Stränden entlang, führt unsere erste Etappe nach Sassnitz. Dort beginnen die Kreidefelsen und wir passieren den Königsstuhl um dann Rønne auf Bornholm anzulaufen.

Den nördlichen Inselteil haben wir bei früheren Besuchen schon mit Bus und Schusters Rappen erkundet, deshalb zieht es uns weiter zu den "Erbseninseln" auf dänisch "Ertholmene" genannt.

Nach romantischer Nacht im kleinen Hafen zwischen den Inseln Christiansø und Frederiksø, laufen wir aus nach Neksø an der Ostseite Bornholms.

Den südöstlichen Inselteil erkunden wir auf gemieteten Drahteseln, bevor wir die Rücktour antreten.
Diese führt uns über Lohme auf Rügen, Kröslin im Peenestrom und einem Besuch im Museumshafen von Peenemünde, wieder nach Neuhof.

Abschrift aus dem Logbuch - geführt von Reinhold -

Anfahrt bis Neuhof / Mecklenburg-Vorpommern.
Segeln: Neuhof bis Sassnitz / Rügen

Samstag 02. Juni 2001.

Es ist genau 00:00 Uhr als wir bei uns losfahren. Schnell noch Dieter abgeholt und ab geht es auf die Autobahn, Richtung Norden. Es regnet und es ist nicht viel Verkehr. Wir hatten nicht geschlafen, so wurde es nach zwei Stunden ruhig in Horst‘s Bulli.

Wir fuhren über Lübeck und dann auf die A 20, die mittlerweile bis Rostock fertig ist. Wir kamen gut voran und konnten es uns zeitlich leisten, nach Zingst abzubiegen.
Hier wollten wir schön frühstücken, doch die Mücken fanden uns als Frühstück auch recht reizvoll. Da es auch noch regnete, beeilten wir uns und fuhren weiter nach Neuhof.

Gegen 07:20 Uhr hatten wir unseren Charterhafen erreicht. Das Schiff war noch belegt, aber gegen 09:15 Uhr konnten wir schon auf die NADIR, eine Gib-Sea 362.

Nadir, anklicken zum Vergrößern

Das Schiff:

Die Übergabe war, wie immer, problemlos. Ich schlafe mit Horst im Vorschiff, Dieter hinten Bb und Franz hinten Stb.

Nachdem wir alles verstaut hatten – es ist immer wieder erstaunlich, was wir so alles mitnehmen – legten wir in Neuhof ab.

Es regnete nicht und für den ersten Tag war auch genug Wind, zumindest bis 17:00 Uhr, dann schlief er fast ein. Dadurch mussten wir unser eigentliches Ziel, Lohme, aufgeben und nach Sassnitz fahren.
Unterwegs gab es Kaffee, Kuchen, und um ca. 19:00 Uhr Bratkartoffeln mit Frikadellen. Um 22:00 Uhr starten wir noch zu einem Landgang durch Sassnitz. Mit Ermano telefoniert. Es ist schon komisch, dass er nicht hier ist. Irgendwie fehlt Ento in der Crew.

Wir sind alle müde und freuen uns auf die Koje.

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Sassnitz / Rügen bis Rönne / Bornholm.

Pfingstsonntag 03. Juni 2001

Aufstehen um 06:00 Uhr. Heute geht es nach Bornholm. Doch vorher ein ordentliches Frühstück mit Müsli (was sonst) und aufgebackenen Brötchen.

Die Wettervorhersage vom Vorabend vorhersagt Wind aus SW mit 5-6 Bf und Schauern. In Praxis hatten wir heute einen Wind der sich von SW über W anschließend NW bis zum Schluss auf Nord drehte und mit ca. 3-1 Windstärken blies. Somit hatten wir achterlichen Wind und einen leichten "Daddel"-Kurs.

Wir probierten es mit Schmetterlingsegeln und ausbaumen der Genua. Doch auf halber Strecke wurde der Wind immer weniger und die letzten 25 sm legten wir unter Motor zurück. (Schließlich wollten wir heute noch ankommen.)

Es war recht kalt, wir haben uns gut eingepackt und viel geschlafen.

Zwischendurch hatte Dieter mal kurz die Logge ausgeschaltet und damit unseren Tageszähler auf Null gesetzt. Haben die Distanz der Seekarte entnommen.

Der Jachthafen liegt noch ein gutes Stück nördlich vom Fährhafen. Es regnet jetzt und damit fällt der Landgang aus. Die Sanitäreinrichtungen sind ok. WC und Duschen in getrennten Räumen.

Im Gesicht haben wir einen leichten Sonnenbrand, trotz des bedeckten Himmels. Jetzt trinken wir noch ein Glas Rotwein und dann geht’s in die Kojen.   

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Rönne / Bornholm bis Christiansö / Ertholmene (Erbseninseln)

Pfingstmontag 04. Juni 2001

06:05 Uhr, wecken und aufstehen. In der Nacht hatte es geregnet und wir sind froh, dass der Wind die Wolken aufgerissen hat. Es ist trocken.

Nach dem Frühstück geht es los zu den Erbseninseln, nordöstlich von Bornholm. Zu Beginn machen wir gute Fahrt mit dem "Am-Wind-Kurs", doch einige Seemeilen vor der Nordspitze Bornholms flaut der Wind total ab und wir müssen motoren. Nachdem wir die Spitze gerundet haben, briest es immer stärker auf und wir machen unter Schmetterling bis zu acht Knoten Fahrt. Die Genua ist ausgebaumt und mit einem Bullenstander gesichert. So fahren wir bis zu den Erbseninseln. Hier, auf der Südseite, angekommen, wollen wir auf Frederiksö (der kleineren Insel) zwischen Heckboje und Mole festmachen, nachdem ein dänischer Segler den Platz verlässt. Der Hafenmeister beorderte uns jedoch längsseits an einen Fischkutter auf der Christiansö-Seite. Im Nachhinein betrachtet, der bessere Platz. Zum Mittag macht Franz seinen berühmt/berüchtigten Labskaus mit Spiegelei, Rollmops und Gurke. Nachdem wir nun die Menge – wir hätten gut und gerne die Nachbarcrew einladen können – vertilgt haben, wollen wir einen Landgang machen, doch es fängt an zu regnen. Aber nur ein paar Tropfen, dann scheint wieder die Sonne. Also machen wir uns auf und erkunden die beiden Inselchen. Es ist sehr idyllisch, aber lange Zeit möchte ich hier nicht verbringen.

Gegen 19:30 sind wir wieder zurück und setzen uns zum Bier mit Pfefferbeißer und Brot, noch an Oberdeck. Trotz der Abendsonne ist es empfindlich kalt.

Bin beim Anbordkommen, wir liegen ja längsseits an dem Kutter, mit dem Fuß an der Seereling hängen geblieben und habe mich dann "lang gemacht". Mein Schienbein ist etwas aufgeschrammt, aber sonst ist glücklicher Weise nichts passiert.

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Christiansö / (Erbseninseln) nach Neksö / Bornholm (Ostküste)

Dienstag 05. Juni 2001

Ich dachte, wir stehen mit den Hühnern (Möven) auf, aber die Möven waren die ganze Nacht aktiv. Also 06:05 Uhr aufstehen und Franz ein Geburtstagslied singen. Selbst die Möven verstummten einen Moment, als wir anfingen zu trällern. Zum Frühstück gab es das Übliche, zur Feier des Tages aber Sekt. Danach machten wir uns auf den Weg nach Bornholm. Mit gutem Wind – häufig liefen wir über acht Knoten - erreichten wir schnell unser heutiges Tagesziel Neksö. Der Hafen ist der größte Fischereihafen der Insel aber für Fahrtensegler bietet er wenig Platz. Und wenig Komfort. Schon die Einfahrt in den "alten Hafen" ist sehr schmal. Die Boxen sind genauso eng und wir passten nur mit viel Mühe in die Box. Alternativ hätten wir an der Mole längsseits liegen können, das viel uns aber erst später auf.

Nach dem Essen suchten wir den Fahrradverleih auf. In Neksö war der Laden geschlossen, so machten wir uns auf den Fußmarsch Richtung Balka. Gut drei km später waren wir in dem Urlaubsdorf mit Ferienhausanlagen und fanden auch relativ schnell den Radverleih.

55,- DKr wollte der pro Rad und Tag von uns. Nach kurzer Verhandlung und Rücksprache mit dem Chef, hatten wir uns für vier Räder auf 150 DKr geeinigt und konnten die Räder auch nach 18:00 Uhr wieder abgeben.

Crew, anklicken zum VergrößernGegen starken Wind radelten wir in den großen Wald, um darin, in relativem Windschutz, bis Almindingen zu fahren. Nach kurzer Pause war das nächste Ziel Aakirkeby, wo wir dem modernen Museum über die Entstehung Bornholms, einen kurzen Besuch abstatteten. Dann führte unsere Tour über Dueodde, mit den tollen Sandstränden, zurück nach Balka. Von hier aus ging es zu Fuß, nun aber am Wasser entlang, nach Neksö zu unserem Boot. Der Weg führt uns an den Fischereibecken entlang. Wenn ich sehe wie viele Seelenverkäufer aus Riega mit ihren Rostlauben im Hafen liegen, musste man echt Bedenken haben, unser Boot ohne Aufsicht zu lassen.

Rund 42 km mit dem Fahrrad, und dazu noch einmal 7 km Fußweg haben wir zurückgelegt. Das kühle Bier hatten wir uns jetzt wirklich verdient.

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Neksö / Bornholm nach Lohme / Rügen

Mittwoch 06. Juni 2001

Heute mussten wir besonders früh aus den Federn, denn wir wollten zurück nach Rügen. Um 05:00 Uhr (und das im Urlaub) klingelte der Wecker. Nach kurzem Besuch der unangenehmen, um nicht zu sagen versifften, Sanitäreinrichtungen und nach dem obligatorischen, guten Frühstück, legten wir bei wenig Wind ab. Die errechneten Ankunftszeiten für Lohme deuteten auf eine Nachtfahrt hin. Bei leichtem Sonnenschein durch Dunst und bei mäßiger Sicht umkurvten wir mit 3-4 kn Fahrt die Südspitze Bornholms. Der Wind war bescheiden kalt und wir saßen gut eingepackt an Oberdeck. Horst, Franz und ich knüpften kleine Anker, während Dieter am Rohr stand. Gegen den frühen Nachmittag drehte der Wind in Richtung Süd und wir konnten unseren angepeilten Kurs (laut GPS) auch tatsächlich fahren. Der Wind nahm erfreulicher Weise noch zu und so gingen die neuen Zielankunftszeiten in Richtung Mitternacht. Zwischenzeitlich gab es Spaghetti mit Heißwürstchen, später Kaffee und Kuchen.

Auf dem Teil der Ostsee, auf dem wir fuhren, war offensichtlich wenig Verkehr. Unsere erste Begegnung hatten wir fast mit einem dicken Balken, der genau auf unserer Kurslinie trieb.

Mit der Geschwindigkeit waren wir jetzt zufrieden, zwischenzeitlich gingen die Prognosen für die Ankunft in Richtung 23:00 Uhr. Doch das, aus der Ferne schon zu erkennende, Schlechtwetterband machte uns einen Strich durch die Rechnung. Wir machten zwar kurzzeitig 8,5 Knoten, aber leider mit Kurs 290. Dann kam der Regen. Ich zog mein Regenzeug an, die anderen aßen derzeit unter Deck eine Frühlingssuppe (wir zeigen uns ja optimistisch). Der Regen ließ nach und mit ihm der Wind auch. Unsere neue "Planzielerreichung" ca. 00:00 Uhr. Die letzten 3 sm mussten wir motoren, der Wind schlief ganz ein.

Die Hafeneinfahrt ist im Dunkeln schlecht zu erkennen. Beim Feuer ist kaum zu unterscheiden zwischen weiß, rot und grün.

Die Holztreppe vom Jachthafen bis Lohme Ort hat 224 Stufen. Gezählt am 07.06.01 um 01:20 Uhr, nach dem Zähneputzen und ...

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Lohme / Rügen bis Kröslin

Donnerstag 07.Juni 2001

 

Heute morgen gingen wir es etwas ruhiger an. Um 07:00 Uhr aufstehen und wie gewohnt Frühstücken, mit dem kleinen Unterschied, es gab zusätzlich Rührei mit Speck. Mit vollgeschlagenem Magen verließen wir bei Regen den Hafen Lohme. Erst hatten wir noch überlegt ob wir nach Neuendorf auf Hiddensee fahren, hatten den Plan aber wegen der vielen Motorerei und der Brücke in Stralsund verworfen. So ging es heute in den Peenestrom nach Kröslin.

Anfangs mit schwachem Wind, nahm dieser aber im Lauf des Vormittags deutlich zu. Mit gut fünf Windstärken aus SW mussten wir ganz hoch am Wind laufen um unser Ziel zu erreichen. Wir machten ztw. 6-7 kn Fahrt und mussten vor dem Nordperd einmal aufkreuzen. In der Knaackrücken-Rinne mussten wir reffen, der Wind erreicht in Böen bis zu acht Windstärken.

In Kröslin haben wir gleich Diesel getankt.

Zum Abendessen hatte Dieter seinen legendären Rotkohl mit Kartoffeln und "BSE-Rouladen" gekocht. Wir waren alle papp-satt!

Obwohl die Sonne sich heute nicht viel gezeigt hatte, brennen mein Gesicht und die Hände.

Die Marina von Kröslin ist schon spitze. Der Sanitärbereich sucht seines gleichen, er ist sehr gepflegt und großzügig angelegt.

Franz hat versucht die Schramme vorne am Rumpf Stb weg zu machen. Sauber ist die Stelle jetzt, aber eine schwache Riefe ist trotzdem da. Ich bin mir sicher, dass die nicht von uns verursacht sein kann. Mal sehen was bei der Übergabe passiert.
Rundgang durch Kröslin gemacht. Leider bietet der Ort nicht viel Sehenswertes.

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Kröslin nach Neuhof

Freitag 08.Juni 2001

Heute ist unser letzter Fahrtentag. Um 06:00 Uhr ging der Wecker und wir spulten zum letzten Mal das übliche Programm ab. Nach sechs Tagen hat sich alles hervorragend eingespielt.

Wir motorten noch in den Museumshafen von Peenemünde, fuhren an dem russischen U-Boot vorbei und machten am Marineschiff kehrt (ist klar, da ist der Museumshafen zu Ende).

Wieder zurück im Peenestrom setzten wir Vollzeug und segelten durch bis an den Steg in Neuhof.

Unterwegs machten wir gute Fahrt – bis zu 8,3 kn -, selbst in den engen Fahrwassern konnten wir segeln. Im Greifswalder Bodden mussten wir allerdings aufkreuzen, der Wind kam aus westlicher Richtung. Im Strelasund kamen uns viele Segler aus Richtung Stralsund entgegen, man musste verdammt aufpassen wer, wo, wie langfuhr. Haben uns noch ein Wettrennen mit einem anderen Segler geliefert. Franz am Rohr gab alles und wir konnten schließlich erfolgreich und mit deutlichem Vorsprung in die Rinne nach Neuhof einbiegen.

Gründke empfing uns am Steg und wir belegten die Festmacher ein letztes Mal.

Nach dem Mittagessen fuhren wir mit dem Auto nach Stralsund. Wir schlenderten durch die Stadt und waren noch einmal auf dem Kirchturm der Marienkirche. 349 Stufen wurden wieder mit einem tollen Ausblick entschädigt. Den Aufstieg im Turm hat man deutlich entschärft. Es gibt viele neue Treppen die nicht mehr so steil sind wie bei unserem ersten Besuch. Wir haben Ermano eine Karte in die Klinik geschickt, mal sehen ob sie ankommt.

Im Hafengebiet fanden wir bei einem Straßenhändler noch kleine Messingschäkel für unsere geknüpften Anker.

Schreck zum Schluss: Horst hat im Touristbüro seinen Fotoapparat und das Handy liegen gelassen, so musste er kurz vor Geschäftsschluss noch einmal zurücklaufen, während wir den Bulli holten.

Nach dem Abendbrot haben wir das Schiff gereinigt und schon einmal einige Gepäckstücke ins Auto getragen

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Rückfahrt

Samstag 09. Juni 2001

Heute war unsere letzte Nacht an Bord der NADIR. Um kurz nach 06:00 Uhr waren wir aus den Kojen und richteten uns das Frühstück. Wir hatten Zeit, denn die Nadir hatte für die kommende Woche keine Charterer. Da wir ja am Vortag so ziemlich alles, was wir nicht mehr benötigten, in den Bulli geräumt hatten, ging es nach dem Frühstück mit dem restlichen Wegräumen sehr schnell.

Die Rückgabe des Schiffs verlief wie gewohnt ohne Probleme. Der Taucher war schon gestern da gewesen.

Gegen 10:00 Uhr waren wir schon auf dem Heimweg. Wir verließen die Autobahn bei Wissmar und machten am Hafen unsere zweite Frühstücks / Mittagspause. Anschließend drehten wir mit dem Auto noch eine Runde durch die Stadt und fuhren dann wieder auf die Autobahn. Einen weiteren Stopp legten wir hinter Hamburg ein, dann ging es direkt nach Hause.

Ich glaube, dass alle mit dem Törn zufrieden waren. Wir haben wieder viel gesehen und jede Menge Spaß gehabt. Schade, dass Ermano nicht mit konnte.

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