Kaiser´s Reiselogbuch


Kleiner Beltwomo-pictogramm

Segeltoern im Kleinen Belt und angrenzenden Gewässern bei überwiegend schönem Wetter. Faules Wasser im Tank, festgefahren im Schlick, Schweinswale gesichtet.

Segeln am Wind

Dieses Jahr sind dabei: ErmanoDieter, Reinhold, und ich.


Wir treffen uns am Samstag den 31. Aug. wie immer bei Reinhold und starten um 08:30 Uhr in Richtung Flensburg, mit meinem Citroen als Zugfahrzeug und einem Kastenanhänger für das Gepäck.

Die Schiffsübergabe der "Jabba" findet erst ab 16:45 Uhr statt, somit ist nur noch ein kurzer Testschlag vor dem Jachthafen möglich. Als wir Lage schieben, rutscht die Gasflasche von ihrem Lagerplatz und bei der anschließenden Kontrolle stellen wir fest, dass die Ersatzflasche leer ist. Bei unserer Rückkehr ist der Bootsmann noch im Hafen und bringt uns Ersatz.

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Sonntag 01. Sept. 02

Beim Füllen des Wasserkessels bemerken wir einen penetranten Gestank nach faulen Eiern, der vom Wasser ausgeht. Das Wasser im Tank ist faul! Das Schiff hat zwei unabhängige Tanks und weil Bug- und Hecktank keine Verbindung untereinander haben, sondern die Pumpensaugleitung bei Bedarf auf die einzelnen Tanks geschaltet wird, ist offensichtlich immer nur ein Tank gebraucht worden und im anderen begann das Wasser zu faulen. Wir entleeren beide Tanks und spülen sie, allerdings haben wir kein Desinfektionsmittel. Wir ermitteln die Apotheke, die heute in Flensburg Bereitschaft hat, und bitten den Bootsmann Herrn Ledke, dort hin zu fahren und uns Kaliumpermanganat zu besorgen. Damit habe ich immer den Wassertank im Wohnwagen desinfiziert. Außerdem kann man es dem Wasser in geringen Dosen (nur wenige Körnchen) beimischen, um es zu entkeimen und haltbar zu machen.

Nachdem dieses Malheur beseitigt ist, heißt es "Leinen los" um 11:20 Uhr. Unter Groß und Genua segeln wir durch die Flensburger Förde Richtung Leuchtturm Kalkgrund.

Bei der Untiefentonne Borreshoved entscheiden wir uns, durch den Als-Sund zu laufen. Wir setzen Kurs auf Sonderburg.

Um 16:15 öffnet die Brücke und der Gegenverkehr fährt durch. Wir sehen fünf rote Lichter und warten auf grün für die Durchfahrt. Ein Fischer und ein deutsches Segelboot fährt trotz Gegenverkehr durch die Brücke und wir schütteln den Kopf, aber vollkommen sprachlos sind wir, als die Brücke sich schließt ohne uns Durchfahrt zu gewähren. Das Hafenhandbuch informiert uns später: "5 F.R., Durchfahrt für Sportschifffahrt in beiden Richtungen auf eigene Verantwortung frei." Ja, ja, man sollte vorher ins Hafenhandbuch schauen.

Um 16:50 Uhr sind wir das erste Boot, das durch die Brücke fährt. Hoch am Wind kneifen wir uns durch den Als-Sund und kreuzen anschließend den Als-Fjord hoch zur Divig. Hier in der wunderbar geschützten Bucht machen wir die Leinen im Jachthafen fest. Es ist 19:55 Uhr.

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Montag 02. Sept. 02

Ein ruhiger Morgen bricht an. Um 08:30 Leinen los und unter Motor erkunden wir einen Seitenarm, die "Mjels Vig" die sehr gut zum Ankern geeignet ist. (Ich ankerte vor Jahren schon einmal hier, während eines Familientoerns). Auf der Ostseite liegt eine gestrandete Ketsch im seichten Wasser auf der Seite. Es entwickeln sich erste Diskussionen über "vielleicht doch nicht so sicher?" und "scheint verdammt flach zu sein." Hinter der nächsten Biegung liegt westlich, etwas abseits der Betonnung, ein Ankerlieger und die Crew grüßt uns aus der Plicht, wo sie gerade frühstückt. Zwei Minuten später sitzen wir im Schlick. Als die Tiefe sich verringerte, hatte ich Gas weggenommen, aber zu spät den Rückwärtsgang eingelegt. Unsere nun folgenden Befreiungsversuche sind allesamt zwecklos, im Gegenteil, es verschlimmert sich noch. Dadurch, dass wir bei rückwärtsdrehender Schraube, keine Fahrt machen, kommt nur der Radeffekt zum Tragen und versetzt uns weiter nach Steuerbord in Richtung Untiefe. Auch der Versuch, den Tiefgang zu verringern, indem wir uns an den gefierten Großbaum hängen, bewirkt nur, dass uns der Schraubeneffekt seitwärts ins Flache zieht. Die Ankerlieger bieten uns an, eine Leine zu übernehmen. Ihr Anker würde gut halten und wir könnten uns zu ihnen verholen, dort sei es tief genug. Leider ist das auch nicht möglich, denn inzwischen haben wir uns gedreht und vor uns, steuerbord neben-, und hinter uns ist es noch flacher. Auch der weggeschleuderte Heckanker ist keine Hilfe, weil er auf die kurze Distanz nicht gehalten hat. Wie bestellt kommt ein Fischer mit seinem Arbeitsboot und 40 PS Außenborder vorbei und erklärt sich bereit uns frei zu schleppen. Erst nachdem er unser Heck in Richtung Fahrrinne zieht, klappt es und er bekommt seinen flüssigen Schlepplohn.

Nach diesem Ausflug in den grauen Schlick, haben wir keine Lust mehr, weiter auf Erkundungstour zu gehen, sondern verlassen schleunigst die Mjels Vig.

Am Nordausgang des Als-Fjord lässt uns der NW-Wind Kurs auf Avernakö nehmen. Die Insel liegt südlich von Faborg unterhalb von Fünen. Dieser Kurs ist sehr angenehm, können wir doch vor dem Wind die Segel in Schmetterling-Stellung bringen und in Badehose segeln. So oft ich auch in der sogenannten Dänischen Südsee gesegelt bin, es ist heute das erste mal Badehosenwetter.

Leinen fest um 16:10 auf Avernakö. Kurze Zeit später brechen wir zum Rundgang um die Insel auf. Nachdem wir wieder zurück sind, steht die Sonne schon tief und überzieht alles mit einem warmen Licht. Kurz darauf verabschiedet sich der Tag mit einem grandiosen Farbspiel.

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Dienstag 03.Sept. 02

Über Nacht hat der Wind auf NO gedreht, deshalb nehmen wir wieder Kurs auf den Kleinen Belt und dann Richtung Nord. Der Wind ist z. T. schwach und kommt aus wechselnden Richtungen aus dem östlichen Quadranten und wir haben häufig mit neuen Segeleinstellungen zu tun. Das schöne ist, auch heute ist Badehosenwetter.

Später, am nördlichen Ausgang des Assens-Fahrwassers, besuchen uns drei oder vier Schweinswale. Sie tauchen mehrmals unter dem Schiff durch und einer schwimmt zum Bug, dreht sich auf die Seite, schaut zu mir hoch, reitet kurz auf der Druckwelle vor dem Bug und dann verlassen sie uns wieder.

Später legt der Wind wieder an Stärke zu und weht jetzt wieder aus NO. Wir segeln / kreuzen bis kurz vor dem Jachthafen Russelbake, das ist die neue Marina von Middelfahrt. Leinen fest um 17:50 Uhr. Später der obligatorische Stadtrundgang.

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Mittwoch 04. Sept. 02

Wetteränderung über Nacht, es ist heute diesig und total bewölkt. Leinen los um 10:45 Uhr. Vor dem Hafen werden die Segel gesetzt. Generalkurs Süd durch den Kleinen Belt. Heutiges Ziel: Arösund. Wir müssen aufkreuzen während der Wind, bei abnehmender Stärke, über SO auf S dreht.

Um 14:15 haben wir den Arösund erreicht. Wir wollen die letzte Meile, direkt gegen den Wind, in den Hafen motoren. Die Segel werden geborgen und der Motor gestartet. Nach wenigen Minuten erstirbt der Motor und springt nicht mehr an, obwohl der Anlasser kraftvoll durchzieht.

Reinhold und Ermano begeben sich auf Fehlersuche. In der Zwischenzeit setzen Dieter und ich wieder die Genua und kreuzen langsam auf die Mittenfahrwassertonne zu. Unterdessen haben unsere Maschinisten den Dieselfilter abgeschraubt, den Tankdeckel geöffnet (falls die Tankbelüftung verstopft sein sollte), die Leitungen überprüft und zwischendurch immer wieder Startversuche unternommen. Erst als sie unter meiner Koje den geschlossenen Hauptabsperrhahn, der zwischen Tank und Hauptfilter liegt, entdecken und öffnen, erwacht der Motor wieder zum Leben. Wir haben alle keine Erklärung dafür, wie der Absperrhahn in die Gesperrt-Stellung gekommen ist und Hand darauf, ich war nicht dran. Ich wusste ebensowenig wie die anderen, dass er dort ist.

Zufrieden laufen wir in den Jachthafen von Arösund ein. Leinen fest 15:17 Uhr.

Nach dem Essen machen wir einen Rundgang durch den Hafen, schauen den Fischern beim Entladen ihres Fanges zu und schlendern anschließend am Strand entlang. Wir bemerken eine recht starke Nord-Strömung durch den Sund. An der engsten Stelle existiert noch ein alter Bunker der deutschen Wehrmacht von dem aus man die Enge gut überblicken und beherrschen konnte. Als wir, auf dem Bunker stehend, die Blicke über das inzwischen fast glatte Wasser schweifen lassen, sehen wir die Rückenflossen von wahrscheinlich zwei Schweinswalen. Sie kommen von Norden und ziehen durch den Sund. Von Zeit zu Zeit holen sie Luft und beim Abtauchen sieht man kurz den Rücken mit der kleinen Flosse. Weil sie nie gleichzeitig auftauchen sondern kurz hintereinander, sind wir uns über die Anzahl nicht ganz sicher.

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Donnerstag 05. Sept. 02

Leinen los um 08:35 Uhr. Es herrscht SW-Wind Stärke 3 und wir beschließen, östlich der Insel Als durch den Kleinen Belt zu fahren.

Später fällt wieder, wie schon öfter auf dieser Reise, die Logge aus. Ich baue den Geber aus und drehe das kleine Schaufelrädchen. Es läuft problemlos und die Anzeige funktioniert. Wahrscheinlich haben sich die Seegrasfäden (wenn sie es denn waren) beim Ziehen des Gebers wieder gelöst. Vor zwei Tagen hatten wir ihn schon einmal ausgebaut und dabei Kalk und winzige Seepocken vom Rad abgekratzt. Seitdem stimmte die Anzeige genauer mit den Werten des Sat-Nav. überein.

An der Südspitze von Als wechselt der inzwischen sehr schwache Wind kurzzeitig die Richtung um 180 Grad, um sich dann aber wieder mit Stärke 3 bis 4 aus SW durchzusetzen. Wir erreichen unser heutiges Ziel Höruphav um 18:50 Uhr. Leinen fest.

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Freitag 06. Sept. 02

Heute starten wir um 08:45 Uhr. Leinen Los. Der Wind hat in der Nacht aufgefrischt und bläst jetzt mit gut 5 Beaufort. Wir binden Reff I in das Großsegel und kreuzen, unter Beachtung der Fahrwasserzeichen, durch die Förde Richtung Flensburg. Sogar die "Holnis Enge" schaffen wir unter Segel, trotz starkem Schiffsverkehr und Wind. Später umsegeln wir ein großes Regattafeld in Luv und kreuzen bis in den Flensburger Hafen. Nach dem Tanken machen wir um 15:00 Uhr auf diesem Toern zum letzten mal die Leinen fest, dieses mal in der Box von "Jabba."

Am Spätnachmittag beginnt unser Stadtrundgang in Flensburg der bis in die Dunkelheit dauert.

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Samstag 07. Sept. 02

Schiff aufgeklart, Gepäck verstaut, Schiff übergeben, Heimfahrt, alles ohne besondere Vorkommnisse.

Obwohl wir eine Woche "nur" im Kleinen Belt und angrenzenden Gewässern waren, hat uns dieser Toern sehr gefallen.

 
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