Kaiser´s Reiselogbuch


Spanien & Portugal 2004

Am 11. März bombten Terroristen in Madrid 192 Menschen in den Tod. Wollen wir trotzdem an dem Plan festhalten, Spanien inclusive seiner Hauptstadt zu besuchen?
Natürlich, denn vor Terror ist man heutzutage nirgends mehr geschützt und die Gefahr eines leiblichen Schadens ist auf den vielen Straßenkilometern, die eine Iberien-Tour durch Spanien und Portugal zwangsläufig mit sich bringt, wahrscheinlich höher einzuschätzen.

Übersicht Gesamtstrecke

Übersicht über die Gesamtstrecke


Start

Am Montag den 19. April starten wir gegen Mittag auf unsere Reisemobil-Tour. Die Route führt uns quer durch das Sauerland Richtung Gießen, dort dann auf die Autobahn und weiter in einem Rutsch via A5 bis zum Kaiserstuhl. Viel gibt es darüber nicht zu berichten, außer, dass der Fortschritt in der Vegetation sehr gut zu beobachten ist, bei uns das erste zaghafte Aufbrechen der Knospen, am Mittelrhein schon üppiges Grün und im Breisgau hat der Frühling schon in seiner ganzen Pracht Einzug gehalten. Die Obstplantagen stehen in voller Blüte.

Am Sportplatz in JECHTINGEN stellen wir das Womo für die erste Übernachtung ab. Als Ausgleich für die Sitzerei während der heutigen 515 Tageskilometer, gönnen wir uns noch eine Wanderung am Rhein entlang.


In Frankreich

Der zweite Tag erwartet uns mit bewölktem Himmel. Eigentlich kein schlechtes Wetter wenn man auf Achse ist.
Weil Geld knapp aber Zeit vorhanden ist, werden wir in Frankreich keine Autobahnen benutzen. Abgesehen von den örtlichen, sind die Straßen in Frankreich inzwischen besser als bei uns in Deutschland und so ist das Reisen auf den Nationalstraßen für Leute mit Zeit und einer gewissen Routine im Karten lesen zu empfehlen. Zeit verrinnt in den Ortsdurchfahrten und wenn die Karte mal nicht so korrekt interpretiert wird. Als Vorteil schlägt zu Buche, dass der Spritpreis an den französischen Supermärkten in der Regel 10 Cent preiswerter ist als an den Autobahntankstellen.

Ab MÜHLHAUSEN durchqueren wir in südwestlicher Richtung eine Mittelgebirgslandschaft, die landwirtschaftlich geprägt ist.
Kurz vor VICHY, wir befinden uns wieder in hügeliger Muränenlandschaft die fast ausschließlich durch Vieh- und Weidewirtschaft genutzt wird, suchen wir unseren zweiten Übernachtungsplatz. Er wird auf einem Bauernhof sein.
Wie kommt das?
Wenige Tage vor Ostern bekam ich die Werbemail einer französischen Organisation mit Namen FRANCE PASSION.

Vor 12 Jahren haben sich ursprünglich Winzer und Weingüter zusammengeschlossen und ein Verzeichnis herausgegeben in dem sie Wohn- und Reisemobilisten, die über ein autarkes Fahrzeug verfügen, privat bei sich auf ihrem Grund und Boden einladen, eine Nacht in Sicherheit oder auch einen oder zwei Tage ungestörten Urlaub zu verbringen. Inzwischen stehen in dem Einladungsverzeichnis für das Jahr 2004 schon 623 Winzer, Bauern, Gastwirte und Weingüter, die einen kostenlosen Parkplatz anbieten. 

Die einzigen Kosten die der Nutzer vorab hat, sind 28 Euro incl. Porto, für das 360 Seiten dicke Einladungsverzeichnis „Carnet des Invitations“, die Identifikationsvignette des Fahrzeugs, eine Frankreichkarte mit den markierten Orten mit Gastgebern und einer persönlichen Einladungskarte. Die Gültigkeitsdauer ist von Ostern bis Ostern und muss jährlich erworben werden.

Nicht weit abseits unserer Route, in ST. GERAND-LE-PUY, bietet der Bauer Jerôme Farjaud zwei Stellplätze an.

Stellplatz bei Jerome Farjaud

Wir werden sehr herzlich von dem jungen Viehzüchter empfangen. Die Verständigung klappt mithilfe von Englisch und Wörterbüchern recht gut und er bietet an, bei Interesse uns in einer Stunde seinen Hof zu zeigen. Wir sagen zu.


Wie schon erwähnt, sind die Übernachtungen gratis, aber der Gastgeber verspricht sich aus dem Angebot sicherlich auch ein kleines Zubrot. Uns war klar, wenn er uns den Hühnerstall zeigt und auf Eier zu sprechen kommt, werden wir ihm einige abkaufen. Jerôme Farjaud war aber in erster Linie Züchter einer weißen, regionalen Rinderrasse und auf Fleischproduktion eingerichtet. Er zeigte uns sein Kühlhaus und den Hofladen mit Erzeugnissen der Region und so fanden wir ein Glas Schweinefleischpastete, zubereitet mit Gewürzen, Wein und Armagnac, die uns sehr gut schmecken sollte.

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Durch's Massiv Central ans Mittelmeer

3. Tag
Am nächsten Morgen lassen wir Jerôme allein seinen Mais aussäen und schlagen wieder eine südwestliche Richtung ein, bis CLERMONT-FERRAND erreicht ist. Von nun ab ist Generalrichtung Süd vorgegeben. Die Nationalstraße N 9 wird nun zur kostenlosen Autobahn A 75,  die auf der gleichen Trasse von Nord nach Süd das französische Zentral-Massiv durchquert bis sie kurz vor der Mittelmeerküste wieder zur N 9 wird. 

Die französische Regierung wollte damit der Region wirtschaftlich unter die Arme greifen, mit einer besseren Erreichbarkeit die Volkswirtschaft stärken und den Tourismus in dieser, landschaftlich sehr schönen Gegend, fördern. Sie preist die Trassenführung als „landschaftlich angepasst“ und „naturnah geführt“ an, was auch so stimmt. Das heißt aber im Umkehrschluss 300 Kilometer sehr kurvige Autobahn mit ständigem Wechsel zwischen Steigung und Gefälle mit Werten von 6 bis 7,5 %, weil fast keine Talbrücken und nur zwei kurze Tunnel gebaut wurden. Die Höhenlage der Autobahn bewegt sich ca. 200 Kilometer weit zwischen 900 und 1150 Metern über NN.
Ich kann sagen, wir haben diese Strecke genossen, denn das Wetter strengte sich an und bescherte uns den ganzen Tag über strahlenden Sonnenschein vom wolkenlosen Himmel. Die höchsten, Schnee überzogenen, Gipfel gleißten zu uns herüber, wenn das Womo wieder eine Höhe erschnauft hatte. Kurz danach ging es wieder rasant abwärts in das nächste Tal. 

In BEZIERS angekommen, stecken wir mitten im dicksten Feierabendverkehr und bevor unser heutiges Ziel,

Narbonne-Plage

NARBONNE-PLAGE, 

erreicht ist, verfahren wir uns noch einmal auf den Landstraßen im Küstenstreifen. Alles halb so schlimm, pünktlich zur Abendbrotzeit ist der aufgeweichte, mit Pfützen übersäte Stellplatz erreicht, den wir mit ca. 30 anderen Mobilen belegen.


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