Kaiser´s Reiselogbuch


Extremadura

Nach der Millionen-Metropole liegt nun der trockene Westen Spaniens vor uns. 
Zuerst führt die Route noch über die kastilische Hochebene, entlang der Sierra de Gredos.
Nach einem Schlenker durch das Gebirge erreichen wir dann die welligen Weiten der Extremadura. 


Sierra de Gredos

Routenverlauf
Routenverlauf

40. Tag
Wir haben lange über den verschiedenen Straßen- und Stadtplänen gesessen, bis wir eine Route vom Ostende der Stadt, wo wir uns befinden, bis zur Ausfallstraße im Westen herausgesucht hatten. Dann wurden die Abwassertanks entleert, geduscht, bezahlt, und der Schlüssel im Zündschloss gedreht. So gut und schnell sind wir bisher noch aus keiner Großstadt herausgekommen. Dort, wo uns der Polizist vor zwei Tagen auf die Irrfahrt geschickt hatte, sind wir wieder auf die Stadtautobahn M40 aufgefahren und haben Madrid in einem nördlichen Bogen umfahren. Allerdings nicht ohne zwischendurch bei einem Einkaufszentrum einen Zwischenstopp einzulegen.

Dieses „Centro Commerciale“ ist ein eigenes Stadtviertel mit riesigen Shoppingtempeln und davon gibt es mehrere in Madrid. Wir haben bescheiden unseren Einkaufswagen bei Lidl gefüllt und sind dann weitergedüst. Fürs Erste haben wir genug von Städten, und legen die Route bewusst über kleine, landschaftlich als schön gekennzeichnete Straßen durch die SIERRA DE GREDOS, westlich von Madrid.
Die SERRANIA DE CUENCA hatte uns verwöhnt, deshalb sind wir nicht übermäßig begeistert von der kargen, felsübersäten und baumlosen Gebirgslandschaft.

Sierra de Gredo
Sierra de Gredo

Sie hat aber auch ihren Reiz, auf den höheren Gipfeln liegen noch Schneereste und auf dem Weg zum Pass MIJARES auf 1570 Metern über dem Meeresspiegel, begleiten uns die gelben Blüten unzähliger Stechginsterbüsche.

Sierra de Gredo

Für die Rückfahrt wurde eine etwas moderatere Strecke, mit nicht ganz so hohen Pässen gewählt. Ab dem 1352 Meter hohen Pass PUERTO DE PICO ging es in rasanten Abfahrten stetig bergab. Die Serpentinen wurden in steiler Falllinie von Resten einer römischen Heerstraße geschnitten. Diese war so steil, dass die Erbauer nicht ohne vereinzelte Stufen auskamen, somit war sie wohl nicht befahrbar. Wie an den Resten zu sehen, war sie mit hervorragender baulicher Fertigkeit aus Steinblöcken mit engen Fugen errichtet.

Ab ARENAS halten wir Ausschau nach einem Stellplatz, aber es bietet sich nichts Geeignetes an. Brigitte sucht aus der Karte eine Stichstraße heraus, die zu der Einsiedelei SANTUARIO DE CHILLA in die Berge führt. Dort angekommen, ist der ideale Übernachtungsplatz gefunden. Es ist zwar erst halb sieben abends, aber für heute reicht es.
Die Wolken haben sich aufgelockert, es verspricht ein schöner Abend zu werden. Das Wetter scheint sich übrigens stabilisiert zu haben. Wir wachen jetzt immer bei blauem Himmel auf, starten mit den ersten Schleierwolken unter milchblauem Himmel, der mittags Quellwolken aufschiebt die sich nachmittags zu Kumulus-Nimbus auftürmen um sich am Spätnachmittag oder Abend donnernd und blitzend ihrer Regenfracht zu entledigen. Seit Madrid ist außerdem die Temperatur so, wie wir sie uns für Spanien vorgestellt haben. Das Quecksilber steigt im Laufe des Tages über 25, manchmal bis 28 Grad.

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Extremadura, die Heimat der Störche

Routenverlauf
Routenverlauf

41. Tag
Es ist schon warm, als wir die herrliche Strecke vom Klösterchen nach CANDELEDA zurückfahren um auf die Landstraße nach PLASENCIA zu gelangen. Sie führt durch die Hügel der Vorgebirge und die Ortschaften auf beiden Seiten sind auf Wander- und Bergtourismus eingestellt. Wir durchfahren eine Reihe hübscher und gepflegter Ortschaften. Der gärtnerische Clou scheint hier das Figurenschneiden bzw. –formen von Säulenzypressen zu sein. Es sind die unterschiedlichsten Säulen, Zylinder, Schnecken, Spindeln oder Pyramiden, aber auch allerlei Tierfiguren, Nachttöpfe, Weinkelche, Krüge und Amphoren zu sehen.

Als die Straße die Ausläufer des Gebirges verlässt und in das wellige EXTREMADURA einschwenkt, verändert sich die Vegetation um uns herum. Plötzlich ist die Natur um uns herum nicht mehr grün sondern gelb. Später erfahren wir, dass es vor 14 Tagen noch nicht so war. Obwohl in einzelnen Senken noch Wassertümpel stehen ist das Land trocken und das Gras steht wie Heu auf dem Halm. Wir kommen uns vor, als führen wir wieder durch die Prärie Kanadas. Rinderherden stehen vereinzelt in der Sonne oder lagern im Schatten der Korkeichen. Wir erreichen den Rio TAJO, ein sehr breiter Fluss der Richtung Grenze fließt und in Portugal TEJO heißt. Vorher muss er aber seine Wasser zur Bewässerung zur Verfügung stellen, er wurde zu einem riesigen See gestaut. Einige Brücken überspannen Seitenarme oder weitere Nebenflüsse des TAJO.

Es ist mittlerweile 14:00 Uhr und der Magen fordert sein Recht. In Ermangelung von geeigneten Parkplätzen, suchen wir wieder ein Kloster oder eine abseits gelegene Kirche. Wir hatten ja gestern gute Erfahrung damit gemacht. Wir biegen ab zur EREMITA DE LA VIRGEN DEL PRADO, die sich 5 Kilometer abseits im Nirgendwo zwischen den Viehweiden befinden soll. Nach wenigen Metern auf der fast einspurigen Straße fliegt mir fast ein Storch vor die Windschutzscheibe. Aufgeschreckt durch das Motorengeräusch kam er über eine der Feldsteinmauern geflogen, die die Straße links und rechts einfasst. Bald stellen wir fest, dass hier etliche Störche in der Prärie herumstolzieren. Ich dachte immer Störche lieben Feuchtgebiete, sie jetzt in dem trockenen Gras zu sehen ist eine neue Erfahrung.

Bei der Eremitage finden wir wie erhofft einen schönen Parkplatz unter Eichen, der von den Spaniern als Picknickplatz genutzt wird. Wir picknicken auch und halten dann Siesta.

Ich bin gerade im Toilettenräumchen, als ein Motorradfahrer zielsicher auf das Womo zusteuert und das Motorrad vor uns abstellt. Er spricht Brigitte an, ob er ihr auf Englisch einige Fragen stellen könne bezüglich Urlaub in Deutschland. Als sie sagt, sie spräche kein Englisch, geht er sichtlich enttäuscht zurück zu seinem Motorrad. Gleichzeitig ruft mich Brigitte von der Toilette. Halb angezogen, mit blankem Oberkörper, das Handtuch noch in der Hand, rufe ich den Besucher zurück und bitte ihn herein.
In sehr gut verständlichem Englisch erklärt der Mitdreißiger, er wolle mit seiner Frau im Urlaub von Belgien in die Tschechei fahren und bittet um Tipps bezüglich der Fahrtroute und sehenswerten Orten und Landschaften in Deutschland. Radebrechend antworte ich ihm und so kommt es, dass wir zwei Stunden lang Straßenkarten und Wörterbücher nachschlagen, wir ihm die Städtenamen der „Romantischen Straße“ aufschreiben und er uns Tipps für unsere weitere Tour durch Portugal und Nordspanien zeigt, aufschreibt, und in die Karten einzeichnet. Es stellt sich heraus, dass er in Nordamerika auf dem Mount Rainier war und wir auf dem Mount St. Helen, dass wir alle schon auf der Olympic-Peninsula waren und er zur Zeit der amtierende Europameister im Kürbiszüchten ist. Eigentlich sei er Weinbauer, aber Kürbisse sind sein Hobby. Zum Schluss bedrängt er uns, unbedingt die nahe gelegene Stadt CACERES zu besuchen. Zwar seien jetzt sehr viele Menschen in der Stadt, denn es ist zurzeit die Mayo-Feria, aber das würde sich nicht in der ummauerten, historischen Altstadt abspielen. Mit dem Rat, an der Stierkampfarena zu parken und mit einer Streckenempfehlung dorthin, verlässt er uns.

Ich habe in meinem Leben noch nicht so viele Störche gesehen wie auf der 20 Kilometer langen Fahrt bis in die Stadt CACERES.

Kirchendach mit Storchennestern

Nach 10 Kilometern liegt auf unserem Weg das Dorf CASAR DE CACERES.
Der Kirchturm sieht so eigentümlich zerzaust aus. Beim näher kommen stellt sich heraus, dass das Kirchendach einschließlich Turm und Strebpfeilern mit Storchennestern geradezu gepflastert ist. Jedes Nest ist belegt, in der Regel mit drei fast flüggen Jungstörchen.

Storchennester

Auch der Kirchturm voll Nester

Die erhofften Parkplätze bei der Arena gibt es nicht. Unser Kurzbesucher hat übersehen, dass anlässlich der Feria auch ein Stierkampf stattfindet. Jetzt ist hier der Teufel los. Menschenmassen strömen zu den Eingängen und jedes bisschen Platz ist zugeparkt. Der Verkehr kommt fast zum Erliegen. Mit Trillerpfeifen bewaffnete Polizisten versuchen gestikulierend ihn flüssig zu halten. Davor hatte uns der Spanier eigentlich bewahren wollen. Nach einer Ehrenrunde durch die Stadt, bekommen wir doch noch was wir suchen. 

Stadttor von Caceres 

Stadtbefestigung Hochzeitspaar vor der Kirche

Zu Fuß geht es nun in die Altstadt, an der Plaza Major vorbei, durch ein Stadttor in den, von einer originalgetreu erhaltenen Stadtmauer umgebenen, ältesten und am Höchsten gelegenen Bereich. Unser Besucher vom Nachmittag hatte diesen Bereich als „Venedig ohne Wasser“ angepriesen. Nun, so prachtvoll waren die Bauten sicherlich nicht, aber so alt schon. Und junges Leben war hier auch. Allein in der kurzen Zeit unseres Rundganges durch diesen historischen Teil, wurden hier zwei   Ehen geschlossen und wie praktisch, auf den Kirchendächern klapperten die Störche ihren Segen dazu.

Als um 20:30 Uhr sich mit Blitz und Donner das Gewitter ankündigt, beschließen wir, für heute Nacht zur Eremitage zurückzukehren. Mit den ersten Regentropfen verlassen wir CACERES. Zu unserem Stellplatz vom Nachmittag zurückgekehrt, hatte dort schon ein Wohnmobil aus Heidelberg geparkt. Wir parken weiter abseits der Straße und haben eine gute Nacht mit Froschkonzert. Aha, doch Storchenfutter.

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