Kaiser´s Reiselogbuch


Baskenland


In Altamira betrachten wir die 15.000 Jahre alten Höhlenmalereien. Anschließend wird das Guggenheim-Museum besucht.
Dabei ereilt uns der Alptraum aller Reisemobilisten, ein Einbruch in das Mobil

 Routenverlauf


69. Tag
Nach einer doch sehr unruhigen Nacht, fahren wir heute Morgen wieder zu den Höhlenmalereien von ALTAMIRA.

Die Malereien, 1879 von der neunjährigen Maria, Tochter des Hobbyarchäologen Marcelino Sanz de Sautuola, entdeckt, wurde in der Fachwelt lange als Fälschung abgetan. 15 000 Jahre alte Malereien könnten niemals eine solche Farbkraft wie die in leuchtenden Rot- Ocker- und Schwarztönen gehaltenen Bilder, eine solche Anpassung an das Relief der Steine und Dynamik der Bewegung zeigen. Erst als sich weitere Höhlenmalereien im Pyrenäengebiet und in Frankreich fanden, wurde diese Meinung korrigiert. Sautuola hat die Korrektur des Fehlurteils nicht mehr erlebt.
Die Darstellungen der Bisons, Hirschkühe, Pferde und Wildschweine litten bald unter der Atemluft der Besuchermassen. Nach ersten Zugangsbeschränkungen und zuletzt Schließung der Originalhöhle, ist 2001 eine detailgetreue Reproduktion der Höhle der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. 

Bisonherde in der neuen Höhle
Bisonherde in der neuen Höhle 
Alle fünf Minuten wird eine Besuchergruppe durch den Höhlenbereich des neu errichteten Museums geführt. In den Sommermonaten 2200 Besucher pro Tag. Wir sind um 10:20 Uhr dabei. Anschließend halten wir uns noch in den anderen prähistorischen Ausstellungen des Museums auf.

Nach Mittag geht es weiter. Heute ist Museumstag, das Guggenheimmuseum in Bilbao ist ja eine größere Attraktion als seine Ausstellungen. Auf dieser Reise haben wir uns so viele Bauwerke angesehen, da darf dieses avantgardistische Gebäude nicht fehlen.

Guggenheim-Museum 

Guggenheim-Museum

Um 16:15 Uhr parken wir dem Museum gegenüber auf der anderen Flussseite. 

Parkplatz

Von hier ähnelt es einem silbernen Schiff. Aus anderen Perspektiven sieht es wie eine zerknüllte Getränkedose aus. 

Guggenheim-Museum Innenstadtseite
Ein mehr konventioneller Gebäudeteil zeigt zur Innenstadt und ist mit cremweißen Kalksteinplatten verkleidet. Die gekrümmten und geschwungenen Gebäudeteile die zum Fluss ausgerichtet sind, wurden mit 1 Millimeter dicken Titanblechplatten verkleidet, welche im Laufe des Tages das Licht immer anders reflektieren. Um dieser geballten Technik etwas die Kühle zu nehmen, wurde auf dem Museumsvorplatz eine riesige Plastik aus blühenden Blumen aufgestellt, das

Guggenheim-Museum Puppy

Maskottchen „Puppy“, es zeig ein sitzendes Hündchen.

Als wir gegen 18:00 Uhr wieder in die Nähe unseres Womo kommen, bemerkt Brigitte den jaulenden Ton einer Alarmanlage. Wir werden schneller, rennen über die Straße, sehen die offenen Schiebetür. Heute hat es uns erwischt.

Man muss immer mit einem Einbruch rechnen, versucht sich dagegen zu schützen, hofft, dass er nie eintritt und dann ist es passiert.
Das Fenster in der Schiebetür ist aufgebrochen, das Verdunkelungsrollo zerschnitten und aus der Führung gerissen. 

Aufgebrochenes Seitenfenster Herausgerissene Utensilien

Im Fahrzeug scheint eine Bombe eingeschlagen zu sein, alle Schränke und Klappen sind offen, Wäsche und herausgerissene Utensilien liegen verstreut, die Alarmanlage mit dem Bewegungsmelder ist abgerissen, das Kabel durchschnitten.
Vorne unter der Motorhaube jault der zweite Alarmgeber. Mein erster Griff gilt dem Laptop, er ist da! Alle Wäschestapel stehen hochkant, aber der Laptop ist da! Das Autoradio? Ist noch eingebaut, das abgenommene und im Staufach versteckte Bedienteil liegt auf dem Tisch. Das Handy? Ist noch in seiner Schale. Das Alibi-Portemonnaie mit einem kleinen Geldbetrag zur Ablenkung? Ist noch da. Brigittes Rucksack steht auf der Sitzbank, darin ist ihr Handy, nein nicht mehr! Es ist bis jetzt das einzige Teil, das wir vermissen.
Stattdessen liegt in der Spüle eine große Schere die uns nicht gehört, das Einbruchswerkzeug. Die Alarmanlage muss den oder die Einbrecher sehr nervös gemacht haben oder sie sind gestört worden weil Passanten aufmerksam wurden. Oder wir sind zurückgekommen und haben sie vertrieben ohne jemanden zu sehen. Egal, wir sind sehr glimpflich davongekommen, der Einbruchschaden ist höher als der entwendete Wert.

Wir rufen die Notrufnummer 112, ein Polizist meldet sich, schaltet eine Dreierkonferenz mit einer deutschsprechenden Dolmetscherin, wir schildern die Sachlage und sollen dann warten. Soweit ging alles recht professionell.
Bis ich dann aber das Polizeiprotokoll in den Händen habe ist es 21:30 Uhr.
Zwei deutsche Frauen, die ihren PKW auch beim Guggenheimmuseum geparkt hatten, sind viel härter betroffen. Ihr Auto wurde so total ausgeräumt, dass sie nur noch das besaßen, was sie anhatten und bei sich trugen. Sie sprachen mit Brigitte und zogen in Erwägung heute Nacht noch die Heimreise anzutreten. Bis ich die aufgebrochene Fensterverriegelung repariert habe ist es fast dunkel, zu spät um diesen ungastlichen Ort zu verlassen. Wir bleiben heute Nacht auf dem Parkplatz der Polizeiwache stehen.

 

Auf der baskischen Küstenstraße nach Frankreich

70. Tag
Wir werden früh wach und sind somit auch früh wieder unterwegs. Wie sich später herausstellt war das ein glücklicher Umstand. Anfänglich in noch sehr gedrückter Stimmung, fahren wir die baskische Küstenstraße in östlicher Richtung. 

Baskische Küste Baskische Küste 

Baskische Küste 

Landschaftlich sehr schön, führt sie zum Teil direkt oberhalb der Steilküste am Berghang entlang. Es gibt nur wenige, kleine Sandbuchten und die sind heute, am Sonntagmorgen um 10:00 Uhr schon sehr gut besucht. Wir bekämen für unsere Fahrzeuggröße keinen Parkplatz mehr. Wir denken mit Grausen daran, wie es hier wohl in der Ferienzeit aussieht.
Ab 11:00 Uhr kommt der Hammer. Wir fahren inzwischen von der Küste weg, da ballt sich in Gegenrichtung ein Stau nach dem anderen. Die Schlangen sind manchmal kilometerlang. In den Orten bewegt sich nichts mehr. Polizisten stehen hilflos auf den Kreuzungen und reden auf die Autofahrer ein. Ich glaube sie versuchen die Ankömmlinge zum umdrehen zu bewegen.
Für uns heißt es jetzt auf den Verkehrsschildern FRANCE. Um 13:26 Uhr überfahren wir die nicht mehr erkennbare Grenze nach Frankreich.

Die erste Tankstelle jagt uns allerdings einen Schreck ein, 0,99 EUR für einen Liter Diesel! Vor wenigen Minuten haben wir noch 73,7 Cent bezahlt. Deshalb waren so viele Franzosen an den spanischen Tankstellen. Das muss aber ein Versehen an der ersten Tanke gewesen sein, denn der Preis pendelt bei den nächsten Tankstellen um 89 Cent. Für die Nacht finden wir nach wenigen Kilometern bei ONDRES auf dem Bauernhof LA FERME DE L’ AMITIE einen Platz auf der Wiese. Die junge Bäuerin spricht sogar deutsch.

 

 


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