Kaiser´s Reiselogbuch


Asturien


Die Kantabrischen Kordilleren sind hochalpines Gebiet mit saftiggrünen Tälern und Almen, sowie blanken, schroffen Gipfeln. 
Allein der Nationalpark PICOS DE EUROPA ist schon eine Reise wert.

Obwohl wir die Pyrenäen nicht mehr bereisen konnten, sind wir von dem was wir sahen restlos begeistert.

 

Radrennen und Hochgebirge

Routenverlauf

63. Tag
Über dem Meer reißt die Wolkendecke auf, die Sonne taucht immer öfter die Steilküste in freundliche Farben.

Wir folgen dem Feldweg weiter immer an der Steilküste entlang bis zum Örtchen

Das Örtchen Rinlo
RINLO. 

Naturreuse?
In der Nähe entdecken wir eine Felsenbucht, die zum Meer hin mit einer Mauer abgetrennt ist. In der Mauer befindet sich eine Öffnung die bei Bedarf mit einem Schieber verschließbar ist. Mein erster Gedanke ist, „hier ist eine alte Gezeitenwassermühle“. Bei näherem Hinsehen kann es doch nicht möglich sein, denn es gibt kein Wasserrad. Auf einer Tafel ist die Funktionsweise gezeichnet und beschrieben. Laut Zeichnung hat es wirklich etwas mit den Gezeiten zu tun, die Beschreibung auf Spanisch hilft uns aber nicht weiter. Deshalb wurde das Schild kurzer Hand fotografiert. Ob darin Krustentiere gefangen wurden?

Auf der Weiterfahrt nach NAVIA kommen uns sehr viele Polizisten auf Motorrädern entgegen, die uns an den Straßenrand winken und zum Halten auffordern. Ich denke an einen entgegenkommenden Schwertransport mit Überbreite, für einen Sonntag aber ungewöhnlich. Brigitte ruft: „Franz hol die Kamera heraus, schnell, da kommt gleich ein Radrennen. Um diese Zeit ist hier doch immer die Asturien-Rundfahrt“. Was soll ich sagen, nach wenigen Minuten und noch mehr Polizei, kommt eine

Ausreißergruppe
Ausreißergruppe auf Rennrädern die Straße heruntergedüst.
Augenblicke später das Hauptfeld, der Service-Tross und dann die Nachzügler. Den Schluss bildet der Besenwagen. Mensch hat Brigitte einen siebten Sinn?

In NAVIA verlassen wir die Küste und fahren dem

Rio Navia
RIO NAVIA entgegen, der aus der CORDILLERA CANTABRICA, viele Male aufgestaut, dem Meer zufließt. 

Die nächste Zeit kurven wir auf einer Bergstraße, die ohne wenn und aber dem Gelände angepasst ist, bis kurz unterhalb der Baumgrenze. 

 

Hier in den Kordilleren gedeiht kein Eukalyptus mehr, deshalb fahren wir stundenlang durch Pinien- / Kiefernwälder und Maronenhaine, abgelöst von Bergwiesen und Almen.
Hoch über den Tälern wird eine Mittagspause mit Siesta eingeschoben. Die nutze ich unter anderem um an diesem Bericht zu tippen. Dann brummt das Womo weiter bergauf, die Baumgrenze bleibt zurück. Nur noch Almen, später Baumheide und Stechginster, überziehen die Bergflanken. Eine fantastische Straßenführung bringt uns immer höher hinauf bis in 1146 Metern der Pass PUERTO DEL PALO erreicht ist. Ein grandioser Blick über die Berggipfel um uns herum wird nur durch den Dunst begrenzt.
Von nun an ging’s bergab, sang schon Hildegard Kneef.

Wieder unten in einem Flusstal sagt Brigitte, es seien nur noch 44 Kilometer bis zur Nationalstraße, es wäre an der Zeit, hier schon mal nach einem Nachtplatz Ausschau zu halten. Die Erfolgsaussicht ist hier aber nicht sehr gut, links der Straße gleich die Bergwand, rechts der Fluss und dahinter geht es auch sofort wieder steil hinauf. Ansprüche haben wir auch, ein altes Straßenstück mit Fels als Lärmschutz zwischen neuem und altem Teil wie vor einigen Tagen, das wäre nicht schlecht. Kaum ausgesprochen, kommt ein Tunnel in Sicht. Ich habe die Scheinwerfer schon eingeschaltet, da sehe ich rechts die alte Straße hinter dem Felsen verschwinden. Blinker, bremsen, rechts rein, passiert gleichzeitig. Jetzt stehen wir in perfekter Ruhe und Einsamkeit nur fünfzig Meter neben der Straße die durch den Tunnel führt. Glück gehabt.

 

Zum Seitenanfang

Pico de Europa

64. Tag
Die ganze Nacht hat es mal mehr, mal weniger stark geregnet. Auch heute Morgen trommeln die Regentropfen ihr Stakkato auf das Dach. Das war schon zu Wohnwagenzeiten ein geliebtes Einschlaflied. Auch heute wollen wir gar nicht aus den Federn. Es ist schon 09:00 Uhr ehe sich der Erste ins „Bad“ bequemt. Als Brigitte den Frühstückstisch deckt, sieht sie, dass die Stauraumtür unter dem Bett am unteren Rand feucht ist. Hat also unser Klebeflicken am Wassertank doch nicht dicht gehalten. Als Sofortmaßnahme wird der Tank halb leer gepumpt. 

Später starten wir bei strömendem Regen in Richtung Nationalpark PICO DE EUROPA. Am Nachmittag lugt erstmals die Sonne durch Wolkenlöcher. Wir sind in POLA DE SIERO und ich warte darauf, dass das Internetcafe öffnet. Wir holen das Regengebiet zwar noch einmal für kurze Zeit ein, aber als es bei CANGAS DE ONIS in das Naturpark-Gebiet hinaufgeht, umgibt uns nur noch Nebel. Die Nebelschwaden ziehen, wie wir, aus den Tälern hinauf in die Höhe.

Blick vom Puerto del Palo
Das ergibt einige reizvolle Panoramablicke und auch Fotos.

In LAS ARENAS nehmen wir die Stichstraße nach PONCEBES. Das war ein Tipp des Spaniers aus CACERES. Wir sollten unbedingt die Wanderung durch die Schlucht des CARES machen und der Weg beginnt bei PONCEBES. Am Elektrizitätswerk von CAMARMEÑA vorbei, noch 300 Meter den Berg hinauf, dann ist das Ende der Fahrstraße erreicht. 

Ende der Fahrstraße 

Weil es schon Abend ist, gibt es vereinzelt Lücken zwischen den Autos am Straßenrand. Eine ist lang genug um unser Womo aufzunehmen. Der ideale Platz ist es allerdings nicht, wir stehen schräg, aber im Augenblick ist nichts zu machen. Die größte Wegbreite ist ca. acht Meter zwischen der Felswand rechts und der Schlucht links. Zum Wenden brauche ich alles und da stehen noch zu viele geparkte Autos. Bis es mehr Raum gibt, wandern Brigitte und ich schon mal eine dreiviertel Stunde auf dem unteren Wanderweg in die Schlucht hinein und dann wieder retour.

Stellplatz Wanderpfad in der Schlucht 


Jetzt hat es Luft gegeben und wir können wenden. Es geht leichter als gedacht. Etwas weiter talwärts, vor dem Tunnel, finden wir sogar ein Fleckchen neben der Straße wo wir fast waagerecht stehen können. Hier bleiben wir, das ist auch ein guter Nachtplatz. Allerdings könnte der Fluss unten in der Schlucht für die Nacht etwas leiser rauschen, tut er natürlich nicht.

 

Zum Seitenanfang

Desfiladero Cares

65. Tag
Kurz vor zehn Uhr verlassen wir gestiefelt und geschnürt das Womo. Den Rucksack auf dem Buckel, die Wanderstöcke in der Faust, geht es zunächst wieder die Fahrstraße hoch, durch den Tunnel, bis zum Einstieg in den Wanderweg DESFILADERO CARES der in das kleine Bergnest CAIN führt.

Einstieg in den Wanderweg Desfiladero-Cares 
Einstieg in den Wanderweg

Laut Beschreibung ist er 12 Kilometer lang und ist mit 3 Stunden Wanderzeit angegeben. Die erste dreiviertel Stunde geht es steil bergauf, dann eine viertel Stunde bergab und dann zwei Stunden auf einer Art „Walweg“ immer in der Nähe eines Wasserkanals bis hoch in den Talkesel von CAIN. Wer also bis CAIN durchhält, darf das Ganze auch wieder retour laufen. Wir sind uns am Beginn noch nicht sicher ob für uns die gesamte Strecke schaffbar ist.

Der Desfiladero ist eine Schlucht, stellenweise eng wie eine Klamm, in der der RIO CARES zu Tal rauscht. Zwei Wege begleiten ihn an stellenweise senkrechter Wand. Der untere Weg, den wir gestern Abend ein Stück gelaufen sind, endet nach etwa einer Stunde Marsch im senkrechten Fels. Der obere, den wir nun gehen, überwindet erst einen Felssattel und stößt dann auf den Wasserkanal der in CAIN dem RIO CARES das Wasser entnimmt, es überwiegend durch den Fels leitet, um es dann aus großer Höhe in die Turbinen des Elektrizitätswerkes von CAMARMEÑA stürzen zu lassen. Er hat schätzungsweise einen Querschnitt von 2,00 mal 2,00 Meter, wird ganz selten frei, streckenweise wegen den Steinlawinen abgedeckt, aber meistens durch Tunnel geführt.
Der Weg wurde angelegt um den Kanal warten zu können und ist jetzt ein Magnet für Naturliebhaber, denn er führt durch eine grandiose Hochgebirgslandschaft. Insgesamt ist er auf einer Länge von mehreren Kilometern aus der Schluchtwand herausgesprengt worden und führt auf der ganzen Länge ohne Geländer oder irgendwelcher Absturzsicherung bis zu hundert Meter über dem Fluss.

Desfiladero-Cares Desfiladero-Cares

Desfiladero-Cares Desfiladero-Cares

Desfiladero-Cares Desfiladero-Cares

Desfiladero-Cares Desfiladero-Cares

Mit dem Wetter haben wir schon mal großes Glück. Gestern noch regnerisch, lösen sich die heranziehenden Wolken mehr und mehr auf. An Felsnasen und Schluchtbiegungen pfeift uns allerdings der Wind derart um die Ohren, dass die Hemdkragen einem Backpfeifen verpassen und man aufpassen muss um nicht umgeweht zu werden. Als Brigitte an einer Ecke mal einen Blick in die Tiefe riskiert, bringt eine Bö sie zum Wanken. Gut, dass sie den Wanderstock vor sich in den Boden gestemmt hatte.

Nach eineinhalb Stunden Marsch, kommt uns ein Mitarbeiter der Parkverwaltung entgegen und trägt auf seiner Tragekiepe einen Müllsack voll Müll, wie zu sehen ist vorwiegend Getränkedosen. Uns ist schon aufgefallen, dass hier überhaupt kein Abfall herumliegt und waren uns sicher, Wanderer verunstalten nicht die Natur. Sollte stattdessen dieser Mann schon frühmorgens alles aufgesammelt haben?
Nach einer halben Stunde wissen wir die Antwort, an die Felswand gekettet steht dort ein großer, geleerter Mülleimer!

Kurz vor CAIN wird die Klamm sehr eng, sie ist nur noch wenige Meter breit, deshalb führt auch der Weg jetzt teilweise durch Tunnel  2 bis wir das Ableitwehr erreichen. Nach drei Stunden reiner Gehzeit sind wir am Ziel angekommen und rasten auf einer Wiese unter schattigen Bäumen.

Nach einer halben Stunde treten wir schon den Rückweg an, denn es liegen ja noch einmal 12 Kilometer vor uns, dieses Mal mit dem schwierigsten Stück zum Schluss. Zusätzlich wird es dunstiger und wir können nicht abschätzen wie sich das Wetter entwickeln wird.
Nachdem uns auf dem ersten Stück des Rückweges noch sehr viele Wanderer entgegenkommen, Brigittes Kommentar: „schlimmer als auf der Autobahn“, wird es dann ruhig auf der Strecke. Auch wir werden immer ruhiger. Nach einer Stunde frage ich „Brigitte, du bist so still, geht’s noch“? „Ja, habe aber schon schwere Beine, und du“? „ Na ja, so frisch wie heute Morgen bin ich auch nicht mehr“
Wir marschieren nach einer kurzen Pause eine weitere Stunde recht einsilbig dahin, dann geht’s hinauf. Das geht noch, obwohl wir kein Wasser mehr haben und die Schuhe sooo schwer sind. Aber die Strecke bergab verlangt die letzten Reserven.
Vollkommen fix und fertig erreichen wir um 17:00 Uhr unser Zuhause auf vier Rädern. Wir sind aber auch stolz auf unsere persönliche Bestleistung, das war bisher unsere längste Wanderung am Stück! Nach einigen Bechern kaltem Wasser und einem Fußbad reicht die Energie aber wieder bis zum nächsten Gasthaus. Nach einer Flasche Sidra stellt sich sogar eine gewisse Leichtigkeit ein.

 

 zurück  zurück   Zum Seitenanfang  weiter weiter


Was Sie noch interessieren könnte: Themen-Links und  Inhaltsverzeichnis

Valid XHTML 1.0 Strict


Impressum  Kontakt  Inhaltsverzeichnis/sitemap  Haftungsausschluss/disclaimer 

© Alle Rechte bei: Franz J. Kaiser, Delbrück    URL: http://www.f-j-kaiser.de