Kaiser´s Reiselogbuch


Kanada/USA Teil 1

Reise 1997

Motorhome auf dem Cayooshcreek-Campground in British Columbia


Flug / Vancouver

Freitag 04.Juli.1997

Ein dreiviertel Jahr Planung, Wartezeit und Vorfreude sind um. Die Reisetaschen sind gepackt, heute ist es soweit.
Der Wecker hat uns aus einem unruhigen Schlaf gerissen.
Um 6:35 hat Brigitte schon die Brötchen geholt und schmeißt unsere Kinder Ingo u. Ramona aus dem Bett. Nach dem Frühstück sowie dem letzten Rundgang durchs Haus, fahren wir mit dem Citroen um 7:45 Uhr zum Regionalflughafen Münster.

Als wir eineinhalb Stunden später an der Abfertigungshalle eintreffen, ist kein Kofferrolli mehr aufzutreiben. Es scheint, alle Welt will in den Urlaub fliegen. Bis ich vom Parkplatz komme, hat Brigitte doch noch einen Rolli ergattert und zusammen mit den Kindern beladen.
Vor dem Eingang hat sich eine münsterländer Kiepenkerl-Trachtengruppe aufgestellt. Es gibt musikalische Ständchen, Metthäppchen, Korn und Aufgesetzten. Mir wird ein Gläschen angeboten, ich sage nicht nein. Der Spender wirbt für Urlaub im Münsterland. Diesmal nicht, wir wollen etwas weiter weg. 

Jetzt spricht mich ein anderer Mann an, stellt sich als Reporter der „Glocke" vor und bittet um ein kleines Interview. Wer, woher, wohin, wie lange? Ich gebe bereitwillig Auskunft. Erst im Abflugterminal fällt mir siedendheiß ein, das kann ja auch ein Trickbetrüger sein, der mich nur ausgehorcht hat um jetzt ungestört das Haus ausräumen zu können. Ich bin ganz von der Rolle, will sofort bei der Redaktion anrufen, aber in wenigen Minuten wird unser Flug aufgerufen. Aus Frankfurt rufe ich bestimmt an. Brigitte beruhigt mich später. Sie hat den Mann mit drei Kameraleuten auf dem Rollfeld gesehen. Es ist sehr warm heute, mir ist aber wärmer.

Mit zehn Minuten Verspätung starten wir um 10:35 Uhr und schon vierzig Minuten später landen wir in Frankfurt/Main.
Das ist ja wirklich ein riesiger Flughafen. Unsere Eurowing Maschine rollt noch zehn Minuten bis zu ihrer Parkposition. Mit dem Bus fahren wir anschließend zum Terminal A. Jetzt zum Abflugschalter B28.
Nach wenigen Schritten spricht mich diesmal eine Frau an. Es geht um eine Umfrage bei den Passagieren. Ich bin wild entschlossen, keine persönlichen Daten mehr zu nennen, aber die sind auch nicht gefragt. Es interessiert nur Abflughafen, Zwischenstop, Ziel, Zeitdauer, Fluggesellschaft und wie gebucht. Na ja, das geht ja noch. Jetzt aber die Beine in die Hand und mal rechts dann links dann wieder links..... Ramona verlangt schon Kilometergeld. Endlich angekommen. Da wir schon in Münster bis Vancouver eingecheckt haben, können wir durchgehen.

In sechs Gruppen werden die Passagiere aufgerufen in das Flugzeug zu gehen. Es passen knapp 400 Personen in den Jumbo, mit all dem Gepäck, der Verpflegung, dem Treibstoff, ist es kaum zu glauben, daß sich dieser schwere Vogel in die Luft erheben kann. Aber genau das tut er um 13:25 Uhr. Erst Richtung Rüdesheim, dann nach Norden über Gütersloh und Hamburg. Hier haben wir unsere Reiseflughöhe erreicht. Weiter geht es über Esbjerg, die Westküste Norwegens, den Nordatlantik, Island, Grönland, ( Eis und Schnee soweit das Auge reicht ), Labrador, die Nordküste der Hudson-Bay, die Nord-West-Territorys, die Rocky-Mountains, nach Vancouver. Nach einer Schleife über der Stadt, die Ankunft um 13:35 Uhr Ortszeit. Auf dem Display ist es zehn Minuten später als in Frankfurt und 22° Celsius.

Das Flughafengebäude in Vancouver ist sehr großzügig und modern. Nachdem die Kontrollen passiert sind, telefoniert Ingo mit dem Hotel und ordert den Shuttlebus. Um 15:15 Uhr sind wir im Hotel „Quality-Inn", ca. sieben Kilometer vom Flughafen entfernt. Nachdem das Gepäck auf dem Zimmer ist, nehmen wir den Stadtbus in die City.

Die „Hauptstraße" von Vancouver ist eine sehr dreckige und heruntergekommene Straße. Bettler und Stadtstreicher an jeder Ecke. Wenn man aber unter die Erde geht ist man plötzlich in einer Welt aus Marmor und Glas, sauber und überwacht. Zwei unterschiedliche Welten, man wird nachdenklich. Diese wettergeschützte Einkaufspassage verbindet die einzelnen Tower miteinander und man kann von einem Shop zum anderen, von einem Center in das nächste flanieren. 

An der Wasserfront am Pier, einem Center mit Segeltuchdach, sehen wir den landenden und startenden Wasserflugzeugen zu. Wenn sie einschweben ist das nicht spektakulär, aber beim Start produzieren sie einen Höllenlärm.
Später in Gastown hören und sehen wir, wie die Dampfuhr mit ihren vier Pfeifen „Üb immer Treu und Redlichkeit" flötet.
Um 20:30 Uhr sind wir wieder im Hotel und fallen förmlich ins Bett. Aber vier Stunden später sind Brigitte und ich schon wieder wach. In Deutschland ist es jetzt nämlich 8:30 Uhr. Unsere innere Uhr ist noch nicht umgestellt.


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Übernahme Mobil 

Samstag 05.07.97 

Dem Hotel ist ein Restaurant angegliedert, dort frühstücken wir. Waffeln mit Spiegelei und reichlich Kaffee. Ingo verdrückt drei Pfannkuchen mit Sirup. Für die Kinder gibt es einen wirklich leckeren Orangensaft. 35 Dollar gehen über den Tisch.
Jetzt hat sich der Himmel zugezogen und ein mächtiges Gewitter entlädt sich. Bei diesem Wetter können wir nicht in die City, also warten wir im Hotel auf unseren Shutlebus zum Wohnmobilvermieter. Am Nachmittag bekommen wir das Gefühl, wir seien vergessen worden. Ich rufe noch einmal an. „Noch ein bißchen Geduld der Bus ist unterwegs". Um 15:00 Uhr, wir sitzen seit dem Morgen im Foyer herum, ruft die Dame von der Rezeption noch einmal an. Endlich um 16:00 Uhr fährt der Bus vor. Hektik, für uns ist noch Platz im Bus, aber nicht für das Gepäck. Der Fahrer räumt den Gepäckraum ganz leer und packt noch einmal neu. Das ist Zentimeterarbeit bis alles verstaut ist. Ein Holländer hat sogar sein Fahrrad dabei.
An der Grenze Kanada / USA müssen wir aus dem Bus, die Einreiseformulare vorlegen und die Visagebühren von sechs Dollar pro Person bezahlen. Eine viertel Stunde später rollt der Bus auf den Hof der Verleihstation in Bellingham. Es werden sieben Recreation-Vehicles bzw. Motorhomes übergeben, sie werden hier „aR wie" genannt. Chaos hoch drei, alles schnell, schnell, schnell. Gestern war hier Nationalfeiertag, dadurch hat sich zeitlich einiges verschoben und die Leute wollen jetzt Feierabend haben. Wir bekommen unser Fahrzeug zuletzt. Zum Vergrößern anklicken
Es ist über 7 Meter lang, 2,44 breit und 3,66 Meter hoch. (Incl. Aircondition-Box)
Als die großen Plastikbeutel mit der Bettwäsche und dem Geschirr usw. im RV liegen, kommt die Lautsprecherdurchsage man möge doch bitte den Hof verlassen und draußen einräumen. Das Tor wird jetzt abgeschlossen. Im Wohnmobil herrscht ein totales Durcheinander aus Gepäckstücken und Ausrüstung. Es ist jetzt 19:00 Uhr und wir fahren erst einmal zum Supermarkt, einkaufen. Anschließend wird aufgeräumt und das Essen bereitet. Wir haben seit dem Frühstück nichts mehr gegessen und entsprechend Hunger. Jemand entdeckt, daß uns ein Personenkit zu wenig eingepackt wurde. Decken, Besteck, Teller etc. Na ja, irgendwie werden wir alle satt, keiner muß vom Boden essen. Dann zurück zur Station. Natürlich niemand mehr da, somit übernachten wir hier vor dem Tor. Nachtruhe ist um 22:40 Uhr aber um 4:40 Uhr auch schon wieder vorbei. Unsere innere Uhr will die neue Zeit noch nicht annehmen.


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In's Küstengebirge

Sonntag 06.07.97

Gefrühstückt wird um 7:00 Uhr. Eine Stunde später kommen die Mitarbeiter der Station. Um 8:20 Uhr haben wir die fehlenden Teile und versorgen uns noch einmal beim Supermarkt. Anschließend fahren wir auf der Interstate No. 5 Richtung Norden. An der Grenze wieder rechts raus, in das Imigrationsbüro, Papiere vorlegen, Fragen beantworten, woher,Vergrößern: Shannon Creek Fall.j wohin, warum, wie lange? Du meine Güte, so etwas sind wir in Europa gar nicht mehr gewöhnt. Vancouver City haben wir auf dem Highway umfahren und sind jetzt um halb zwölf nördlich des Burrard Inlet in Westvancouver. Auf dem Highway 99, der sogenannten Nugget Route, fahren wir ins Landesinnere. Anfangs immer am Fjord entlang, den wir am Freitag mit dem Flugzeug überflogen haben. Pause am Porteau Cove. Wie in Norwegen! An der alten Landungsbrücke wurde ein Tauchparadies angelegt, mit zum Teil absichtlich versenkten Schiffen. Bei herrlichem Sonnenschein Picknick auf dem Parkplatz mit Tisch und Bank. Gerade jetzt kommt ein Zug auf der Trasse zwischen Ufer und Straße vorbeigebummelt. Brigitte und Ramona zählen mit: Vorne zwei große Loks dann 54 Waggons, doppelt so hoch wie bei uns, dann wieder eine Lok und noch einmal 28 Waggons. Ein Mammutfrachtzug. Später merken wir, das ist hier normal.

Auf der halben Strecke bis Squamish passieren wir den Shannon Falls Provincial Park. Der Shannon Creek stürzt hier über achtzig Meter in die Tiefe. Von unten gesehen, ein imposantes Schauspiel.

Vorbei am Alice Lake und am Daisy Lake erreicht man Whistler. Die Whistler Region ist das bekannteste Skigebiet in British Columbia. Dort ist alles auf den Wintersport ausgerichtet. Wir halten nicht an, sondern fahren weiter um in Pemberton auf die Duffey Lake Road abzubiegen. Eine landschaftlich wunderschöne Strecke.
Die ersten Indianeransiedlungen liegen links und rechts der Straße. Für uns ist dieser Anblick wie ein Schock. Um fast jede Hütte breitet sich ein Autoschrottplatz aus. Ausgediente Gerätschaften, von der Waschmaschine über Sessel bis zum Fernseher, liegen im hohen Gras. Ich denke, auch wenn man arm dran ist und von Sozialhilfe lebt, muß man nicht über Müllberge steigen um zur Eingangstür zu gelangen. Obwohl die Ureinwohner finanziell nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen und das auch nicht zu übersehen ist, sind die Zustände hier besonders heftig. Manche Behausungen bestehen aus Lastwagenaufbauten, zum Teil mit Plastikplanen benagelt. Mir kommt unwillkürlich der Gedanke an die bitterkalten Winter. Brigitte meint „In solche Hütten jagt man ja nicht einmal einen Hund".
Die Umwelt ist aber intakt. Bieber bauen in den Bächen ihre Dämme. Der Boden ist fruchtbar und die Vegetation üppig und grün, hier an den Westhängen der Küstengebirge gibt es reichlich Niederschläge. In anderen Gebieten wurden die Indianer in Reservate gezwungen die eine wesentlich schlechtere Lebensgrundlage bieten.
Später windet sich die Straße in steilen Serpentinen in die Höhe. Der 7,5-Liter-Motor zieht die fünfeinhalb Tonnen Gewicht unseres Wohnmobils problemlos hinauf. Hier beginnen die ersten Schotterstrecken, die sogenannten Gravel Roads.
Ein Wort zum amerikanisch/kanadischen Straßensystem: Die großen (mindestens vierspurigen) Hauptstraßen die quer durch das Land oder einen Staat führen, heißen Interstate Highways oder Freeways. Sie sind mit unseren Autobahnen vergleichbar. Bei der Orientierung ist die Nummerierung in Verbindung mit der Himmelsrichtung wichtiger als Ortsnamen. An den Auffahrten sieht man z.B. 80 E oder 80 W. Interstates mit geraden Nummern (80) verlaufen in der Generalrichtung Ost-West, die mit ungeraden Nummern entsprechend Nord-Süd. Die US- oder State and Provincial Highways sind die weiteren Hauptverkehrsadern. In absteigender Reihenfolge kommen nun Secondary State, Provincial and County Highways bzw Roads. Es sind zweispurige Landstraßen und in der Regel asphaltiert. Bei geringer Verkehrsdichte können die Straßen auch zu Gravel Roads werden. Das sind Schotterstraßen die bei Trokenheit arg stauben und bei Nässe sehr rutschig sein können. In beiden Fällen verdrecken die Fahrzeuge besonders stark und die Steinschlaggefahr ist groß.Vergrößern: Camp_Cayoosh_Creek.jpg (221274 Byte)

Am Duffy Lake vorbei folgt die Straße dann dem Cayoosh Creek. Direkt am Ufer des reißenden Flusses befindet sich ein toller Campground, sehr urig. Wir sind die einzigen Besucher.
Jetzt wird der Backofen angeheizt, ist gar nicht so einfach mit dem Gas und der Regelung. Nun die Pizza hinein, nach wenigen Minuten qualmt es schon und der Rauchmelder jault ohrenbetäubend los. Schnell die Pizza herausgerissen. Oben ist sie gut aber unten schon sehr dunkelbraun. Man kann sie aber noch essen. Bei der zweiten wird aufgepaßt und siehe da, sie schmeckt doch wesentlich besser. Dann haben Ingo und ich ein Lagerfeuer entfacht. Er war aber sehr müde und ging, wie der Rest der Familie, ins Bett. So habe ich mich alleine räuchern lassen.


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Fraser-River Tal

Montag 07.07.97

Standort morgensBrigitte wird um 8:30 Uhr wach, meine Güte, einmal rund um die Uhr geschlafen. Die Nacht war sehr kalt. Ingo und Ramona haben gefroren. Brigitte hat als Mückenfutter gedient. Fünf Stiche zählt sie. Heizung an, dann duschen und frühstücken.
Start um halb elf Uhr Richtung Lillooet. Es ist eine wunderbare Strecke durch Wälder und Schluchten. Der Himmel.ist bewölkt, das Wetter aber trocken. Auf einem Paß schauen wir Holzfällern zu, die an dem gegenüberliegenden Steilhang Bäume fällen und sie gleich mit einer Seilbahn abtransportieren. In Lillooet wird getankt, 113,75 Liter für 67.- Can $. Aus dem Reiseführer wissen wir, daß in diesem Ort ein deutscher Bäcker sein soll. Auf die entsprechende Frage, zeigt der Tankwart auf die gegenüberliegende Straßenseite. In einem unscheinbaren Holzhaus ist die Bäckerei. Wir decken uns großzügig mit Backwaren ein. Das Brot und die Berliner schmecken wie zu Hause.
Da wir keinerlei Pannenwerkzeug haben, kaufe ich für alle Fälle einen großen Kreuzschlüssel und eine Bügelsäge. Ich denke da an Baumstämme und die Hebelgesetze, wenn wir schon keinen Wagenheber haben. Im Reisegepäck sind noch ein Kilo Kleinteile die wir von zu Hause mitgebracht haben, Schraubendreher, Zange, Spannungsprüfer usw. Ich meine, wir sind jetzt gerüstet. 

Hier im Regenschatten der Coast Mountains ist jetzt eine ganz andere Landschaft. Verwitterung, mürber Fels, trockene Moränen, Wassermangel. Es riecht nach Kräutern wie in der Provence. Vereinzelt sieht man Ingwerfelder.

Und dann, auf einer Gefällestrecke, leuchtet die ABS-Kontrolleuchte auf um nicht wieder zu verlöschen. Jetzt hilft mir aber meine Werkzeugvorsorge nichts. Ich suche zwar die Räder nach lockeren Kabeln der ABS-Sensoren ab, kann aber nichts finden. Auf die Bremswirkung hat diese Sache aber offenbar keinen Einfluß. Nach einigen Bremsproben fahren wir weiter. Im nächsten Ort telefonieren wir mit der Hotline von „El Monte RV-Vermietung". Man beruhigt uns. Es sei offenbar ein Sensor defekt, aber wenn die Bremswirkung gut ist können wir weiterfahren. Die Landschaft wird immer flacher und grüner, wie in Schweden. Uns fällt auf, daß wir oft Vergleiche ziehen. 

In Wiliams Lake werden noch schnell zwei Aluschalen gekauft, denn die Chicken sollen im Backofen gebacken werden. Auf der Weiterfahrt wird nach einem Übernachtungsplatz Ausschau gehalten. Ein schöner Rastplatz direkt neben dem HW 97 lädt uns ein. Genau gegenüber einem kommerziellen Campingplatz. Das ist auch der Grund für das Übernachtungsverbot. Das Mobil wird geparkt. Backofen an, Hähnchenkeulen rein, aber es dauert noch bis 21:40, ehe das Essen fertig ist. Das Spülen unterbleibt nach dem Abendessen, statt dessen wird das Geschirr nur schnell in die Spüle gestapelt und wir starten wieder. 

Als wir das nächtliche Quesnel hinter uns haben, wird nach einem Standplatz Ausschau gehalten. Nachtruhe um 23:10 auf einem Rest-Area, nach über vierhundert gefahrenen Kilometern. Es regnet in der Nacht.


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Prince George

Dienstag 08.07.97

Standort morgensKurz vor 8:00 Uhr krabbeln wir aus den Federn. Nachdem wir gefrühstückt und den „Hausputz" erledigt haben, rollt unser RV auf dem HW 97 wieder nach Norden.
Um 9:30 Uhr schleudert uns ein entgegenkommendes Wohnmobil eine Ladung Dreck vor die Windschutzscheibe. Es kracht. Nachdem die Scheibenwaschanlage wieder für freie Sicht gesorgt hat sehen wir das daumennagelgroße Loch direkt im Sichtbereich des Fahrers. Schei...benkleister. Glücklicherweise ist die Scheibe nicht durchschlagen, nur das äußere Verbundglas ist zerstört.
Prince George ist ein wichtiges Versorgungszentrum im nördlichen British Columbia und hat einen riesigen Einzugsbereich. Dementsprechend groß und geschäftig ist diese Stadt. Auch wir nutzen die Möglichkeiten, tanken und tätigen einen Großeinkauf. Nachdem die Lebensmittel und Jeans etc. verstaut sind, geht es um 13:15 Uhr weiter. Ab Prince George hat die Besiedlung entlang des Highway abrupt aufgehört. Statt dessen links und rechts Seen und sumpfige Bereiche mit seltsam kerzenförmigen, aber sehr oft abgestorbenen Bäumen. Der Himmel ist bewölkt mit Aufheiterungen, die Temperatur bei 20° Celsius. Ankunft um 15:30 Uhr in der noch jungen Stadt Mackenzie. Sie wurde erst 1965 gegründet und liegt, erreichbar über eine dreißig Kilometer lange Stichstraße, am Williston Lake, dem größten Stausee Nordamerikas. Ein Grund hierher zu kommen, ist unter anderem das Hallenbad mit Sauna und Whirlpool. Einmal die Hauptstraße rauf und runter zwecks Orientierung. Wo ist der Campingplatz, wo das Hallenbad? Anschließend über eine sieben Kilometer lange Gravelroad zum Williston Lake. So schlimm die Anfahrt zum See auch war, es hat sich gelohnt. Ein herrliches Plätzchen, mit Picknikmöglichkeit, aber Übernachtungsverbot. Wir sind allein an diesem schönen Fleckchen namens Mackenzies Landing. Dieser Pionier soll im letzten Jahrhundert, bei seiner Durchquerung Nordamerikas von Ost nach West, hier entlanggezogen sein.
Am Abend geht’s zurück zum Hallenbad und hinein in die Fluten. Nachtruhe ist dann um 22:00 Uhr auf dem Campingplatz am Ortsrand von Mackenzie. Auch in dieser Nacht fallen ein paar Tropfen Regen.


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Bennet Dam

Mittwoch 09.07.97

Standort morgens8:30 Uhr. Sonnenschein von einem strahlend blauen Himmel weckt uns. Nach dem Frühstück fahren wir noch einmal in den Ort zum Fotografieren und Telefonieren. Halt, wo ist die Telefonkarte? Im Portemonnaie. Und wo ist das Portemonnaie? Die ganze Familie sucht und stellt das Mobil auf den Kopf. Ingo findet es dann in der Tüte meiner neuen Jeans. Wie ist es da bloß hingeraten?
Jetzt können wir doch noch zu Hause anrufen.

Um 11:00 Uhr geht es wieder weiter, erst zurück auf den HW 97 und dann Richtung Nordost nach Chetwynd. Heute ist wohl unser Glückstag. Direkt an der Straße an einem Hang sehen wir unseren ersten Schwarzbär. Wir drehen um, fahren zurück, und können dem etwa zweijährigen Tier bei der Futtersuche zuschauen. Der Bär dreht mit der Vordertatze Steine um und schleckt dann die zum Vorschein kommenden Insekten, Würmer und Schnecken auf. Einige Kilometer weiter entdecken wir, während eines Fotostop`s an der Hangschulter eines wunderschönen Tales, eine Elchkuh im Talgrund, bis zum Bauch in einem Tümpel. Während unsere Augen, die Kamera und das Fernglas nach unten gerichtet ist, bleibt ein Pickup-Camper neben uns stehen. Ein älteres Paar steigt aus und schaut auch in den Abgrund hinunter. Nach einigen Minuten fragt uns die Frau im Flüsterton was wir denn beobachten. Fast ebenso verschwörerisch erklären wir, daß unten ein Elch im Wasser steht. Nachdem sie das Tier entdeckt, meint sie etwas irritiert das sei doch gar kein „Elk" sondern ein „Moose". Was lernen wir daraus? ein Moose ist ein Elch, ein Elk ist aber ein Wapiti.
Bei der nächsten Tankstelle verschwinden 127 Liter Benzin im Tank. Das entspricht knapp 25 Liter auf hundert Kilometer.
In Chetwynd wählen wir den reizvollen Hudson’s Hope Loop, der uns auf den Alaska Highway führen wird. Unterwegs besuchen wir den gewaltigen Bennett Damm, 183 Meter hoch und 2000 Meter lang. Er staut den Peace River zum Williston Lake auf und sperrt ein Wassereinzugsgebiet von der Fläche Irlands ab. An eine Fischtreppe hat man aber nicht gedacht. Ein Visitor Centre informiert über Dammbau und Stromerzeugung. Wir beteiligen uns an einer Führung durch die unterirdischen Turbinenhallen und den Wasserdom, das ist die Felsenkammer die das Turbinenwasser aufnimmt bevor es in den Unterlauf des Peace River abfließt. Hier wird ein drittel des Strombedarfs von British Columbia erzeugt.
Der weitere Weg verläuft durch das Peace River Plateau um dann 20 Kilometer vor dem Alaska Highway in Serpentinen steil bergauf zu führen. Unterwegs sehen wir noch einige Rehe und erreichen um 19:05 Uhr in Fort St. John die ALCAN. ALaska-CANada Highway heißt die offizielle Bezeichnung des Alaska Highway von Dawson Creek, mit dem Milepost 0 (dem Startpunkt), bis Delta Junktion in Alaska.
Auf den ersten vierhundert Kilometern bis Fort Nelson führt die ALCAN oft schnurgerade von Horizont zu Horizont durch hügeliges Waldgebiet. Links und rechts der Straße wird ein Streifen von etwa zwanzig Metern von Bewuchs freigehalten. Bagger mit Raupenketten, an deren Auslegerarm eine Mähmaschine montiert ist, erledigen diese Arbeit. Dieser Streifen hat mehrere Vorteile, erstens kann man Tiere, die über die Straße wechseln, frühzeitig sehen, außerdem werden die Telefonmasten und Stromleitungen in diesem Bereich geführt und nicht zuletzt sind das die Trassen der Gas-Pipelines. Es stinkt penetrant nach faulen Eiern. Es ist so viel Gas in der Luft, daß ich es nicht wagen würde, ein Streichholz zu entzünden. Die wenigen Schotterwege, die von der ALCAN abzweigen, sind alle gesperrt. Die großen Energiekonzerne haben ihre Hand auf diesem Gebiet. Ehemalige Campgrounds sind verschwunden und Parkplätze gibt es auch nicht. Um 20:25 Uhr parken wir auf einem Holzlagerplatz nördlich von Wonowon. Zwei Minuten später ist unser Fahrzeug von Moskitos eingehüllt. Brigitte stürzt sich mutig in den blutrünstigen Schwarm, um Kartoffeln aus dem Laderaum zu holen. Sie ist blitzschnell, nur ein Stich. Spaziergang fällt heute Abend aus.


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ALaska CANada HW

Donnerstag 10.07.97

Standort morgensFür mich ist um 5:30 Uhr die Nacht vorbei, ich kann nicht mehr schlafen. Eine Stunde später lasse ich den Motor an und fahre los. Die anderen liegen noch in den Betten, aber auf dieser vom Frost aufgebrochenen Straße ist während der Fahrt an Schlaf nicht mehr zu denken. Brigitte setzt sich auf den Beifahrersitz und auch Ingo klettert aus seinem Alkoven. Noch scheint die Sonne, doch die Wolken werden immer dichter.
Die Straße führt, wie mit dem Lineal gezogen, bis zum Horizont. Ich halte an, um ein Foto zu schießen. Kaum bin ich ausgestiegen, stürzen sich die Mücken auf mich.
Um 8:15 Uhr erreichen wir den Campground Prophet River und fahren zum Frühstücken auf den Platz. Das Fahrzeug steht noch nicht richtig, da sind die Scheiben schon schwarz vor Moskitos. Hier zelten einige Fahradfahrer, die dieser Mückenplage massiv ausgesetzt sind. Einer von ihnen trägt eine Imkerhaube als Gesichtsschutz. Spruch des Tages: "Die Herren des Landes sind die Moskitos". Wir sind Gefangene in dem Wohnmobil, doch so schlimm ist es später nie mehr gewesen. Fort Nelson erreichen wir um 10:50 Uhr, Brigitte ist enttäuscht von diesen simplen Zweckbauten. Im Sommer Touristenetappe und ganzjährig Versorgungszentrum für das Umland, erstreckt sich die Stadt links und rechts der ALCAN. Die Geschäfte, Tankstellen, Motels und Restaurants liegen an parallel verlaufenden Einbahnstraßen, die durch einen Grünstreifen von dem HW getrennt sind.
Nachdem wir getankt und noch einmal eingekauft haben, u.a. Steinschlaggitter für die Scheinwerfer, nehmen wir den HW wieder unter die Räder. Die ALCAN wendet sich jetzt nach Westen und geht die erste Gebirgskette an. Es folgen phantastische Streckenabschnitte durch die Rocky Mountains und die Flußtäler. In den Bergen muß man durch kilometerlange Baustellenabschnitte. Der Verkehr wird eine halbe bis eine Stunde lang angehalten. Wenn eine entsprechende Fahrzeugkolonne zusammengekommen ist, setzt sich ein Pilot-Car mit gelbem Blitzlicht an den Anfang und lotst die Kolonne durch die Baustelle. Auf der anderen Seite dreht es und führt nach einiger Zeit den Gegenverkehr in die andere Richtung. Die Frage: „Was ist so interessant am Alaska Highway?" beantwortet Brigitte so: „Bist du in den Rockys, bekommst du ein Pilot-Car vor die Nase, damit du die Berge gut runter kommst. Ansonsten tolle Landschaft, hohe Berge und viel Platz."
Wir haben um 18:00 Uhr den Muncho Lake im gleichnamigen Nationalpark erreicht und stehen auf dem Campground Strawberry, wunderschön gelegen auf einer Halbinsel im jadegrünen See. Den Kaffee mit Donuts haben wir uns verdient. Später macht Ingo ein Lagerfeuer. Einsetzender Regen vertreibt uns in das Mobil. Licht aus um 22:15 Uhr.


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Liard Hot Springs

Freitag 11.07. 97

Standort morgensRaus aus den Federn um 7:30 Uhr. Zwei Stunden später starten wir Richtung Liard River, einem kleinen Städtchen am mächtigen Fluß gleichen Namens. Etwa einen Kilometer hinter der Brücke liegen rechterhand die Liard Hot Springs, überaus populäre klare heiße Quellen. Die Quellbecken liegen in natürlicher Umgebung am Hang in einem Mischwald. Mit unseren Badeutensilien unter dem Arm überqueren wir, kurz nach zehn Uhr, auf Holzplankenwegen die unmittelbar hinter dem Parkplatz liegenden Heißwassersümpfe. Rechts gehen! Der Gegenverkehr ist erheblich. Man sieht, andere Leute stehen früher auf und haben ihr Bad schon hinter sich. Als wir den Wald erreichen, stürzen sich die Moskitos auf die ungeschützten Hautpartien. Nur mit Shorts und T-Shirt bekleidet, ist es nicht einfach sich der Plagegeister zu erwehren. Ein Familienfoto mißglückt, weil alle Arme und Beine herumzappeln. Der durchdringende Geruch nach faulen Eiern ist bald nicht mehr zu ignorieren. Das untere, gut mit Kies ausgekleidete Becken hat glasklares Schwefelwassser. Die starke Dampfentwicklung zeigt, daß es sehr warm ist. Temperatur 60 ° Celsius, nein, bei aller Liebe, das ist zu heiß. Nach weiteren fünf Minuten bergan erreicht man ein ganz uriges Quellbecken, den Beta-Pool. Der Holzplankenweg faßt es an zwei Seiten ein und drei Holztreppen führen in das drei Meter tiefe, graugrüne Wasser. Eine Umkleidehütte für Weiblein und eine für Männlein ist der ganze Komfort in dieser Idylle. Für Ramona ist es eine Überwindung in das Wasser zu steigen. Auch wir anderen tasten uns mit „huch" und „heiß!" von Stufe zu Stufe. Brigitte ist als erste im Wasser. Mit uns sind noch vier ältere amerikanische Ehepaare hier oben und die merken nun, wir sind from Old Germany. Das ist jetzt die Sensation am Pool. Alle überschlagen sich vor Freundlichkeit, wir werden nach allen Regeln der Kunst ausgefragt und die Kinder antworten so gut sie können. Eine Amerikanerin versucht vergeblich, mit Brigitte ins Gespräch zu kommen und kann gar nicht verstehen, daß jemand kein Englisch spricht. Das 50 Grad heiße Wasser und der Schwefelgeruch bereiten mir nach kurzer Zeit arge Kreislaufprobleme und die Moskitos sind auch ein Grund, daß wir uns schon bald umziehen. In der Kabine werde ich von „Barny" interviewt. Ich radebreche was das Zeug hält und nehme Hände und Füße zu Hilfe. Später kommt Ingo und dolmetscht. Bis wir wieder am Wohnmobil sind, habe ich einen Diafilm belichtet, und Brigitte wieder sieben Moskitostiche mehr.
Es ist heute ein herrlicher heißer Tag, keine Wolke am Himmel. Wir löschen unseren Durst und halten Siesta, denn alle sind müde und mein Kreislauf braucht auch noch etwas Zeit. Später nehmen wir den Highway wieder unter die Räder. Er verläuft im Tal des Liard River, der etwa siebzig Kilometer weiter enorme Stromschnellen entwickelt. Am sogenannten Whirlpool Canyon fahren wir zum Fotostop auf einen Do-it-yourself Campsite. Das ist ein Zwischending von Camping- und Parkplatz. Hier macht der Fluß einen Schlenker und direkt in der Krümmung liegt noch eine Felseninsel. Das Wasser tost und schäumt. Dabei ist jetzt ein niedriger Pegel, wie man an den Ufern und den angeschwemmten und übereinandergetürmten Bäumen erkennen kann. Eine Touristin bietet sich an, ein Familienfoto zu schießen, damit wir mal alle zusammen auf`s Zelluloid gebannt werden.
Die Straße wechselt jetzt einige Male zwischen den Provinzen British Columbia und dem Yukon Territory. Auf einer Anhöhe stoppt uns wieder einmal ein Straßenposten vor einer Baustelle. Wir stehen vorerst als einzige hier und sollen eine halbe Stunde warten. Das wird eine Eispause, denn unser Gefrierschrank beherbergt auch solche Köstlichkeiten. Der „Flagman", in diesem Fall ein Schüler der in der Hitze sein Stopschild halten muß, wird natürlich eingeladen. Es dauert nicht lange bis sich etliche Wohnmobile und Wohnwagen hinter uns aufreihen. Unter ihnen auch die Fahrzeuge von unseren Bekannten vom Schwefelpool. Dort wird das Autoradio aufgedreht und Barny legt mit seiner Partnerin eine flotte Sohle auf den Asphalt. Dann kommt, man kennt es schon, dasSignposts.jpg Pilot-Car und geleitet uns durch die Baustelle.

Mit Watson Lake erreichen wir den ersten Ort im Yukon Territory. Er ist im Umkreis von fast dreihundert Kilometern der einzige Ort mit einer kompletten Versorgungsinfrastruktur, vom Waschsalon bis zum Supermarkt. Bekannt ist Watson Lake durch die Signposts. Das sind Masten, an die Besucher aus aller Welt Wegweiser, Autonummern, Orts- und andere Schilder genagelt haben. Angefangen hat es 1942 mit dem ersten, von einem Soldaten eines Pionierbatallions, angenagelten Schild. Mittlerweile ist die Sammlung auf über 25 000 angewachsen, und täglich werden es mehr.

Unser rollendes Heim wird aufgetankt. An einer öffentlichen Dump-Station entleeren wir die Abwassertanks und ergänzen unseren Frischwasservorrat. Um 18:00 Uhr geht es weiter. Nach ca. zwanzig Kilometern biegen wir auf den, nach Süden führenden, Cassiar Highway ab. Der nördlichste Punkt unserer Reise liegt hinter uns. Um 20:00 Uhr haben wir den wunderschönen Boya Lake erreicht. Auf dem gleichnamigen Campground am Seeufer werden wir übernachten. Während das Essen bereitet wird, gehe ich raus zum Fotografieren.Boya-L.jpg (142503 Byte)

Der nördliche Abendhimmel zaubert ein weiches Licht auf die schimmernde Oberfläche dieses glasklaren Sees. Es sieht traumhaft aus.
Unsere heutige Tagesetappe war 395 Kilometer.


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Cassiar HW

Samstag 12.07.97

Standort morgensHeute stehen wir erst um 9:00 Uhr auf. Brigitte zählt schon wieder neue Mückenstiche. Nach einem kräftigen Frühstück mit Spiegelei, verlassen wir diesen schönen Platz. Er hat 9,50 CAN$ gekostet, Feuerholz eingeschlossen.
Es ist bewölkt, als wir in Jade City anhalten. Der Ort besteht nur aus sechs Häusern, das größte ist ein Jade-Store. Hier werden tonnenschwere Jadebrocken zersägt und zu Schmuck und Souvenirs verarbeitet, die Maschinen stehen unter freiem Himmel. Brigitte und Ramona kaufen sich im Store je einen Jadering. Später fahren wir an der Abzweigung zum Minenstädtchen Cassiar vorbei. Diese Straße ist gesperrt, der Ort seit zwei Jahren eine Geisterstadt, Zutritt verboten. Der Bergbau, von dem dieser Ort lebte, wurde aufgegeben.
Mit gemischten Gefühlen erwarten wir die angekündigten zweihundert Kilometer Gravel Road. Die kommen dann auch. Es sind nur etwa hundertfünfzig Kilometer, die haben es aber in sich. Das Fahrzeug und wir werden zeitweise brutal durchgeschüttelt. Die harten Blattfedern geben die Waschbrettstöße fast ungedämpft weiter. Auf diesen Gravel-Abschnitten sind die Brücken nur einspurig. Vor einer dieser Brücken steht in Gegenrichtung ein Truck mit einem Fertighaus auf dem Tieflader. Da das Haus breiter als die Brücke ist, verhindert das Geländer die Weiterfahrt. Zwei Männer mühen sich mit einem Wagenheber ab, das Haus Stück für Stück anzuheben und Holzpaletten unterzuschieben, bis man über Geländerhöhe ist. Hinter der Brücke dann alles wieder retour.
Die Straße führt, nach durchqueren der Cassiar Mountains, eingefaßt von den hohen Gebirgsketten der Coast Mountains im Westen und der Skeena Mountains im Osten, durch bewaldete Täler weiter südwärts. Diese Gegend ist als Bärengebiet bekannt, daß wir aber heute sieben Schwarzbären sehen würden, hätten wir uns nicht träumen lassen. Die Straßenschneisen durch den Wald bringen Licht auf den Boden. Auf den freigeräumten Seitenrändern wächst Gras und Klee, am Waldrand stehen Beerensträucher. Das alles wird von den Bären sehr geschätzt und sie grasen wie die Kühe ohne sich von den Fahrzeugen, die hin und wieder vorbeifahren, stören zu lassen. Wir halten knapp zwei Meter neben einem jungen Tier an. Ramona schiebt das Seitenfenster zurück und lehnt sich zum Fotografieren hinaus. Nach dem dritten Bild, schiebt sie das Fenster, mit den Worten: „Das Vieh stinkt ja gräßlich," hastig wieder zu. Der Bär ist von einer Mückenwolke umgeben, was ihn offenbar nicht stört.
Es ist 20:30 Uhr als wir den Meziadin Lake Park erreichen. Die schlimme Strecke liegt hinter uns, abgesehen davon sahen wir eine großartige, fast unberührte Landschaft. Und dann auf dem Campground schlägt Ingo seiner Mutter versehentlich die Wohnmobiltür an den Kopf, die sieht jetzt auch noch Sterne. Sonst macht er nichts zu, aber wenn doch..... Brigittes Beule wird immer größer.


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Totempfähle

Sonntag 13.07.97

Standort morgensWir haben gut geschlafen, obwohl die Bären-Lebendfalle, etwa hundert Meter von unserem Standplatz entfernt, uns eindringlich erinnert, daß dieser Ort von Meister Petz besucht wird. Es regnet, als wir aufstehen. Eine gute Gelegenheit, den Dreck der Schotterstraßen abzuwaschen, denn er ist ja schon aufgeweicht. Mit einem Eimer Wasser, dem ein Spritzer Spülmittel beigefügt ist, und Schwamm steige ich auf das Fahrzeugdach. Jetzt sieht man erst, wieviel Staub wir aufgesammelt haben. Bei den Scheiben und Seitenflächen mache ich gleich weiter, da kommt aber auch schon ein Parkwächter vorbei. Stop, Stop, Auto waschen ist streng verboten, allenfalls die Scheiben dürfen gereinigt werden. Er erklärt uns, daß das Waschwasser in den Boden eindringt und die Umwelt verseucht. Unter Umständen müßte der Boden entsorgt werden. Das ist wirklich ein Witz, wenn man die Müllkippen auf Privatgrund sieht, auf denen Sperrmüll, Autowracks und Kühlschränke vor sich hingammeln. Dort wäre ein weites Feld für Umweltschutzaktivitäten, aber Privatgrund ist ja tabu. Nichts liegt uns ferner als die Umwelt zu schädigen, also verkneife ich mir das Nachspülen der Scheiben. Als ich mich abspülen will, versagt unsere Dusche den Dienst, es kommt kein Wasser. Heute hat sich aber auch alles verschworen.
Wir überlegen, einen Abstecher nach Stewart zu unternehmen. Dieses Städtchen hat einen Fährhafen und liegt am Portland Canal. Dieser ist ein tief ins Landesinnere reichender Fjord, der gleichzeitig die Grenze zum Südzipfel Alaskas bildet. Das wäre eine Gelegenheit einen kurzen Abstecher nach Alaska zu unternehmen. Weit würden wir allerdings nicht kommen, denn nach zehn Kilometern endet die Straße in Hyder. Die Familie entscheidet sich aber, die Fahrt nach Südosten, Richtung Hazelton, fortzusetzen.
In Kitwancool bietet sich die erste Möglichkeit, Totempfähle der Ureinwohner zu besichtigen. Diese Pfähle, mit einer Länge von zwei bis zwölf Metern und einem Durchmesser von vierzig bis achtzig Zentimetern, sind mit einer bewundernswerten Präzision geschnitzt. Sehr ausdrucksstark. Vor allem die Augen der Fabelwesen haben mich sehr berührt. Nach etwa dreißig Kilometern biegen wir bei Kitwanga auf den HW 16 ein. Er wird Yellowhead Highway genannt, nach dem Trapper Pierre Bostonais der den Spitznamen Téte Jaune (Yellowhead) trug. Die Straße hat eine Gesamtlänge von 2650 km, und führt von Winnipeg an den großen Seen, über Edmonton in Alberta, den Jasper Nationalpark in den Rocky Mountains, bis Prince Rupert, nicht weit von hier an der Pazifikküste. Wir werden auf ihr bis Jasper fahren.
Bei Hazelton besichtigen wir das Ksan Historic Indian Village, den authentischen Nachbau eines Dorfes der Gitksan Indianer. Hier ist auch eine Schnitzschule beheimatet, die dem indianischen Nachwuchs das Erbe und die Fertigkeiten der Vorfahren vermitteln soll. Es ist schon 16:00 Uhr als wir zu Mittag essen. Anschließend wird die Straße wieder unter die Räder genommen, wir fahren und fahren. Als wir durch den Ort Fraser Lake kommen, etwa hundertfünfzig Kilometer vor Prince George, beschließen wir, einen Campingplatz zu suchen. Bei der Tourist-Information sticht uns ein Werbeplakat ins Auge, das ein „Ressort" mit Duschen anpreist. Die Suche führt uns ein Stück zurück und dann weitere zehn Kilometer abseits des Highways an den Francois Lake. Dort liegt der Campingplatz „Nithi on the Lake". Als Ingo und ich die Rezeption betreten, telefoniert die Frau hinter dem Tresen gerade im urigen Schwyzerdütsch mit Ihrem Sohn. Dieser ist auf einer Radtour, von Fairbanks in Alaska nach Fraser Lake BC, gerade in Watson Lake eingetroffen, wie sie uns erzählt.
Der Platz gehört ihr und ihrem Mann, die sich damit in Kanada eine neue Existenz aufbauen. Das Areal liegt wunderschön an einem Südhang entlang des Seeufers. Jetzt am Abend plagen aber wieder die Moskitos. Das Sanitärhaus ist einfach, aber sauber und wir können duschen soviel wir wollen. Hier bleiben wir, es ist 21:15 Uhr. Kurz vor 23:00 Uhr rufen wir zu Hause an. Dort ist Frühstückszeit und wir gehen gleich zu Bett.


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Nithi on the Lake

Montag 14.07.97

Standort morgensBis hierher sind wir jetzt 3500 Km gefahren. Es ist ein herrlicher Tag, Sonnenschein, blauer Himmel, ein leichtes Lüftchen. Es wird beschlossen, heute hierzubleiben. Ich miete für 50 CAN$ ein Motorboot. Die Kinder haben das platzeigene Trampolin für sich entdeckt. Brigitte will einen Waschtag einlegen. Handwäsche ist sofort möglich, Waschmaschine und Trockner stehen erst ab 14:00 Uhr zur Verfügung. Die ganze Familie fährt auf den See zum Angeln. Siehe da, ein Fisch beißt an. Eine Barbe, würde ich sagen, drei Kilo schwer. Das Abendbrot ist gesichert. Anschließend fahren die Kinder alleine raus, dabei entdeckt Ramona ihre Leidenschaft für Motorboot "brettern". Sie kennt nur noch Vollgas. Brigitte kümmert sich um die Wäsche. In der Zwischenzeit holen Ingo und ich Schwemmholz für das abendliche Lagerfeuer. Am Spätnachmittag wollen wir alle noch eine Runde mit dem Boot fahren, da beginnt es zu regnen. Es hält nicht lange an, deshalb kann ich anschließend das Lagerfeuer entzünden. Wir brauchen reichlich Glut, denn der Fisch soll gegrillt werden. Schmeckt gar nicht mal schlecht, nur viele Gräten.
Die Karten kommen auf den Tisch. Nach einer Runde Mau Mau fahren wir doch noch einmal mit dem Boot hinaus. Da die Wellenhöhe inzwischen zugenommen hat, die Kinder aber trotzdem mit Power fahren, werden wir ordentlich geduscht. Um 22:00 Uhr sind wir zurück. Das Lagerfeuer wird wieder entfacht, damit die Kinder trocknen. Ich brauche auch von innen noch Wärme, somit gibt es heißen Tee. Unterdessen sind Ingo und Ramona schon wieder auf dem Trampolin.


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Yellowhead HW

Dienstag 15.07.97

Standort morgensAuf geht es, zuerst nach Prince George. Es ist heute bewölkt, aber gutes Reisewetter. Die Berge sind zurückgewichen und haben hügeligem Weideland Platz gemacht. Etliche Ranches liegen abseits des Highway. Die kleinen Ortschaften haben sich um große Sägewerke gruppiert. Deren Holzlagerplätze sind fast leer, sie werden erst im Winter wieder mit mehr als eintausend Lastwagenladungen Holz pro Tag gefüllt.
Unsere Reise ist wie eine liegende 8 geplant. Prince George ist der Schnittpunkt. Kurz vor 13:00 Uhr erreichen wir die Stadt. Mit unserem zweiten Aufenthalt hier, liegt die obere Schleife hinter uns. Wir ergreifen die Gelegenheit, noch einmal einen Großeinkauf zu tätigen. Gut versorgt und mit vollgetanktem Fahrzeug geht es weiter Richtung Südost, dem Gebirgszug der Rocky Mountains entgegen. Der Yellowhead Trail führt jetzt am Oberlauf des Fraser River entlang. Mal im Talgrund, dann wieder an den Nordhängen der Cariboo Mountains, verläuft die jetzt wenig befahrene Straße weitgehend schnurgerade durch eine einsame Waldlandschaft. Die Berge werden bald höher und rücken wieder näher zusammen, wir nähern uns den Rocky Mountains. Am Abend erreichen wir nach einer langen Steigung, die Grenze des Mont Robson Provincial Park. Hier ist ein Rastplatz mit einem schönen Blick auf den wolkenumkrönten, vergletscherten Mont Robson. Mit seinen 3954 Metern ist er der höchste Berg in den kanadischen Rocky Mountains. Er ist berühmt wegen seiner charakteristischen Schneebänder die sich treppenförmig in die Höhe schichten. Die Indianer nannten ihn: „Die Spitze der spiralförmigen Wege". Wir legen eine Fotopause ein.
Ingo soll die Mülltüte zum bärensicheren Container bringen und kommt gar nicht wieder. Er hat einen modernen Trapper, Fremdenführer und Lebeskünstler als Gesprächspartner gefunden. Dieser wohnt und reist in einem Bigfoot, einem kleinen aber auf hohen Ballonreifen rollenden Wohnwagen mit großer Bodenfreiheit, gezogen von einem Allrad-Pickup. Nach fünfundzwanzig Minuten rufe ich Ingo zur Weiterfahrt. Später erzählt er von dem angenehmen und interessanten Gespräch mit dem Fremden. Es drehte sich um Lebensart, Politik, Steuern, ausgerottete Wölfe in Europa und die Elchjagd in Kanada. Jetzt tut es mir leid dieses Gespräch unterbrochen zu haben.
Regenwolken türmen sich, es wird dunkel. Wo sollen wir übernachten? Wir bleiben auf dem Parkplatz des Visitor-Center am Fuß des Mont Robson. Normalerweise hat man von hier einen tollen Ausblick auf den Berg aber jetzt treibt uns starker Regen in das Wohnmobil. Ist auch nicht so schlimm, wir haben sowieso Hunger. Es gibt Kaiserbrötchen mit einem Durchmesser von fünfzehn Zentimetern, belegt mit Salatblättern, Mortadella, Käse und Tomaten. Das sind ja Supersandwiches. Bevor um 22:00 Uhr Nachtruhe einkehrt, zählt noch jemand die Tiere des heutigen Tages auf: Einen Elch, einen Schwarzbär und einige Rehe.


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Mt. Robson

Mittwoch 16.07.97

Standort morgensDer Wecker klingelt um 6:50 Uhr. Als erster springe ich aus dem Bett. Heute ist wandern angesagt. Wir fahren ein kurzes Stück zum Parkplatz am Ausgangspunkt des Wandertrails in das Valley of a Thousand Falls. Ein Weg der sich um den Mont Robson in die Höhe schraubt. Feste Schuhe werden angezogen und um 8:40 Uhr geht es los. Wir haben die triefnasse Natur fast für uns alleine. Immer bergan über Stock und Stein, durch Matsch und Pfützen. Neben uns tost der Robson River zu Tal. Ingo ist begeistert. So hat er sich Kanada vorgestellt. Er drängt mich, unbedingt Fotos von dem Moos und den Algen in den Zweigen der Bäume aufzunehmen. Das ist nicht so einfach, es ist zu dunkel in diesem Wald. Bei Ramona ist die Stimmung umgekehrt. Wie meistens beim Wandern, hat sie schlechte Laune. Ihren Frust kompensiert sie, indem sie so schnell marschiert, daß sie uns weit hinter sich läßt. Ich muß sie mehrmals ermahnen in unserer Nähe zu bleiben, was ihre Laune nicht gerade bessert. Der Grund für meine Sorge sind die Bären, was ich den anderen aber nicht sage um sie nicht zu beunruhigen. Wir sind hier in Bärengebiet. In den Touristinformationen wird immer wieder darauf hingewiesen, beim Wandern Bärenglöckchen oder Rasseldosen am Rucksack zu tragen um ein unverhofftes Zusammentreffen auf kurzer Distanz zu vermeiden. Aber hier, neben dem rauschenden Gletscherfluß wäre das sinnlos, er übertönt alles. Na ja, vielleicht bin ich auch zu ängstlich aber mir ist es lieber wir sind alle zusammen. Nach eineinviertel Stunde und viereinhalb Kilometern haben wir den spiegelglatten jadefarbigen Kinney Lake erreicht. Er teilt das Blickfeld in ein spiegelbildliches Oben und Unten. Bei einem Kopfstand würde man das gleiche Bild sehen. Nach einer Rast, bei der wir diese Landschaft auf uns wirken lassen, geht es wieder hinunter. Jetzt kommen uns wahre Touristenkarawanen entgegen. Menschen aller Hautfarbe. Viele Asiaten und einige deutsche Reisegruppen sind darunter. Jetzt kommt mir meine Sorge von heute morgen lächerlich vor. Die Kinder legen ein enormes Tempo vor und sind bald nicht mehr zu sehen. Einige Gehminuten vor dem Parkplatz entdecken wir eine Quelle mit herrlichem Wasser. Vom Wohnmobil werden alle leeren Flaschen und Kanister geholt und mit dem frischen Quellwasser gefüllt.
Als wir wieder beim Visitor-Center auf den Parkplatz fahren wollen, erschrecken wir. Der riesige Platz ist mit Bussen, Wohnmobilen und PKW überfüllt. Ist das der Vorgeschmack auf die anderen Parks? Ich merke, daß der linke Blinker defekt ist. Die Kontrolle offenbart eine defekte Glühbirne. Die erhalten wir nur in Jasper und dahin machen wir uns auf den Weg. Links und rechts dehnt sich jetzt Sumpfgelände und der flache Moose Lake. Nomen est Omen, wir schauen uns die Augen aus dem Kopf um Moose, so heißen hier Elche, zu entdecken, Fehlanzeige. Dafür sehen wir wieder einen Schwarzbär. Die Straße steigt jetzt zum Yellowhead Pass an, um danach stetig bis Jasper an Höhe zu verlieren. Nicht ohne die obligatorischen Baustellen mit langen Wartezeiten und Pilot-Car. Der Pass ist die Grenze zwischen Britisch Columbia und Alberta, gleichzeitig auch vom Mont Robson Provinzialpark und Jasper Nationalpark, und eine Zeitgrenze. Die Uhren werden eine Stunde vorgestellt. Das Wetter ist sonnig mit 21° Celsius gleich 70° Fahrenheit.
In Jasper wird getankt und die Glühbirne gekauft. Der Tacho zeigt uns einen Stand von 40944,5 Meilen. Hier auf der Tankstelle parken wir das Wohnmobil und schlendern zu Fuß durch die Stadt. Der Verkehr ist enorm, der Ort wimmelt von Touristen, die Häuser und Grünanlagen sind gepflegt, man könnte auch in Oberstdorf oder Reit im Winkel sein. Elk_Jasper.jpg

Auf dem Rückweg staune ich über die naturgetreue Plastik zweier Wapitis auf dem Rasen an einer Straßenkreuzung. Ein Tier ruht, das andere steht mit erhobenem Kopf in der Sonne.....bis es weitergeht. Ach du meine Güte, mit Brille wär das nicht passiert. Aber mit Wildtieren hier mitten in der Stadt hatte ich nicht gerechnet. Jetzt verstehe ich auch den Grund, warum die Blumenkästen mit Maschendraht überwölbt sind.

Kurz vor 18:00 Uhr belegen wir einen Standplatz auf dem „Wapiti" Campground, nicht weit vom Ort entfernt, am Icefields Parkway. Zum Abendessen wird ein Lachs über dem Lagerfeuer gegrillt, dabei ziehen Wapitis durch den Wald. Sie stören sich nicht im geringsten an den Campern und äsen zwischen den Wohnwagen. Anschließend wandern Brigitte und ich einmal um den Campground, das heißt wir wollten einmal herum, schaffen es aber nicht. Als es dunkel wird müssen wir abkürzen, der Platz ist einfach zu groß.

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Jasper

Donnerstag 17.07.1997

Standort morgensHeute sind wir wieder früh aufgestanden, denn wir haben uns ein volles Besichtigungsprogramm zusammengestellt. Unser Ziel ist der Maligne Lake. Kaum sind wir vor Jasper in nordöstlicher Richtung auf den Yellowhead eingebogen, sehen wir in der Morgensonne etwa fünfzig Wpiti-Kühe in den Au-Wiesen des Athabasca-River. Es sind kleine Gruppen von zwei bis vier Tieren oder Muttertiere mit ihren Jungen die dort im Gras lagern oder verstreut zwischen den Baumgruppen stehen. Nach drei Kilometern zweigt die Maligne Road nach rechts ab, führt über den Athabasca um nach etwa zehn Kilometern den Maligne Canyon zu erreichen. Dieser ist ein einzigartiger Riss im Felsgestein, zwischen einem und fünfzehn Metern breit, sowie zehn bis dreißig Meter tief, durch den der Fluß braust. Auf dem Fußweg, der mal links mal rechts dem Canyon vier Kilometer folgt, wandern wir talwärts. Von den sechs Bücken die in regelmäßigen Abständen die Schlucht überspannen hat man eindrucksvolle Ausblicke und Fotomotive.
Als wir auf der Weiterfahrt am Medizin Lake entlangfahren, einem See, der keinen Abfluß zu haben scheint aber trotzdem im Jahresverlauf starke Wasserstandsschwankungen aufweist, geraten wir in einen Verkehrsstau. Der erste Eindruck, vorne in der Kurve sei ein Unfall passiert, täuscht. ELk-Bulle.jpg

Zwei Wapitihirsche, die einzigen die wir auf unserer Reise sahen, grasen wenige Meter abseits der Straße. Etwa ein halbes Hundert Touristen verstecken ihre Gesichter hinter Fotoapparaten und Videokameras. Es klickt und surrt in einer Tour, doch die beiden Geweihträger lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Bis eine Asiatin, mehrfach von ihrem Begleiter aufgefordert sich näher zum Wapiti und damit besser ins Bild zu stellen, die Straße eineinhalb Meter Richtung Hirsch verlassen hatte. Sowas gefiel diesem jetzt aber gar nicht. Der Kopf wurde gesenkt, ein kurzer Scheinangriff und in nullkommanichts standen die Touris alle wieder auf der Fahrbahn. Da gehörten sie auch hin meinte unser Prachtbursche, drehte sich um und äste weiter. Es war köstlich.

Kurz vor Mittag erreichen wir in 1670 Metern Höhe den Maligne Lake, in einem Gebirgstal, eingefaßt von hohen Berggipfeln. Er ist zweiundzwanzig Kilometer lang und max. zwei Kilometer breit. Es ist sehr heiß und wir beneiden die Jugendgruppe ein bißchen, die in zwei Schlauchbooten, beim Seeauslauf in den Maligne River, zum Rafting startet. Auf dem See verkehren Ausflugboote, aber die 31$ pro Person für eineinhalb Stunden sind uns doch zu teuer. Wir schlecken Eis und genießen Muffins bevor die Rückfahrt angetreten wird. Unser nächstes Ziel ist der Mount Edith Cavell, mit 3363 Metern der höchste Berg in diesem Gebiet. Vom wenig befahrenen, alten Icefields Parkway zweigt die Edith Cavell Road ab. Fast fünfzehn Kilometer lang und in schlechtem Zustand, windet sie sich in unzähligen Serpentinen in die Höhe. An einigen Kehren hat man herrliche Ausblicke in das Tal und auf die Moränenhänge. Am Straßenende wird das Wohnmobil geparkt und wir machen uns zu Fuß auf den Weg zur Gletscherzunge mit dem Schmelzwassersee des Edith Cavell Gletschers. Über uns in der Felswand endet der Angel Glacier. Diese beiden Gletscher vereinigten sich vor wenigen Jahrzehnten noch an dieser Stelle, doch im Zuge der globalen Erwärmung ziehen sich alle Eisfelder zurück.
Wieder unten im Tal, erreichen wir in südlicher Richtung die Athabasca Falls. Hier stürzen die Schmelzwasser der südlich gelegenen Gletscher in einen Felsenkessel und fließen dann durch eine Schlucht ab. Brigitte wähnt sich an der Chinesischen Mauer, nur Asiaten und Germans, mit einigen Amis, bevölkern die Aussichtsplatformen um das Schauspiel zu genießen. Wenige hunder Meter weiter erreichen wir wieder den neuen Icefields Parkway, den Highway 93.
Es wird jetzt Zeit sich nach einem Campground umzuschauen. Der erste ist nicht für Wohnmobile gedacht, die Waldwege sind zu schmal und die Stellplätze zu klein. Der zweite, genannt Honeymoon Lake, mit 35 Stellplätzen ist genau richtig. Übernachtung 10$, mit Feuerholz 13$, natürlich wird bei uns gekokelt. Es ist 18:00 Uhr und für heute Feierabend. Wir haben 185 Km mehr auf dem Tacho.

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Icefields Parkway

Freitag, 18.07.97

Standort morgensDie Nacht war sehr kalt. Der Wecker war nicht gestellt, somit sind wir erst um 9:10 Uhr wach geworden, begrüßt von einem Bilderbuchwetter. Nach einem ordentlichen Frühstück rollen wir auf dem Icefields Parkway durch das sonnenüberflutete Sunwapta Valley südwärts, Richtung Banff Nationalpark. Die Strecke steigt stetig an, im Osten eingerahmt von den Bergen der Maligne Range und im Westen von der Bergkette des Columbia Icefield. Das Columbia Icefield selbst überdeckt 325 Km² und ist die größte Eisfläche in den Rocky Mountains. Man schätzt die stärkste Dicke des Eises auf 365 Meter.
Als wir den Sunwapta-Pass, die Parkgrenze des Jasper und Banff Nationalparks, erreichen, hat sich der Himmel zugezogen und es ist empfindlich kalt geworden. Die Kälte kommt durch die Fallwinde die vom Athabasca-Gletscher herabfließen. Wo früher der Gletschersee war, hat man einen Parkplatz angelegt. Das Wohnmobil wird abgestellt, warme Jacken angezogen und dann steigen wir über Geröllhalden hinauf zum Fuß des Gletschers. In gewissen Abständen zeigen Jahreszahlen auf Betonsockeln an, wo die Gletscherzunge damals war. Es ist erschreckend wie weit der Gletscher sich in den letzten 45 Jahren zurückgezogen hat. Die globale Erwärmung ist offensichtlich keine Theorie mehr.
Vom Visitor Center, oben an der Straße, kann man sich für 21.5 Can$ mit Bussen weiter hinauf zum Gletscher bringen lassen. Dort wird umgestiegen und mächtige Eismobile kutschieren die Touristen über das Eis. Wem`s gefällt. Wir starten unbeholfene Gehversuche auf dem tauenden Eis der Gletscherzunge. Verdammt glatt, aber bergauf leidlich zu bewältigen nur zurück ist es ganz schwierig. Nach kurzer Zeit bleiben wir stehen, zu gefährlich. Ingo, der schon 50 Meter voraus ist, wird zurückgerufen, für das obligatorische Foto. Brigitte und die Kinder setzen sich auf die Kante einer Gletscherspalte. Ich habe den Apparat noch nicht richtig eingestellt, als schon Protest laut wird. Das tauende Eis durchnäßt die Hosen, das verursacht einen kalten Pö und dreckig wird man auch noch! Na ja, aber bis die Fotos im Kasten sind muß ausgehalten werden. Wir verlassen den Gletscher ohne Ausrutscher und Blessuren und die „Undichten" können im Wohnmobil die Wäsche wechseln.
Wir überqueren jetzt den 2035 Meter hohen Sunwapta Pass, der auch die Wasserscheide zwischen dem in die Beaufort See mündendem Athabasca River und dem in die Hudson Bay fließenden North Saskatchewan River ist. Dieser Fluß windet sich bald von Seite zu Seite durch das Tal, bildet Sümpfe, Tümpel und Seen. An eine Stelle ist die Straße auf einem Damm durch das flache Wasser geführt. Am BowSummit and Peyto Lake wird wieder eine Wanderung eingeschoben. Der Weg führt durch eine hochalpine Almlandschaft mit farbenprächtigen Blumen. Ich muß mich zusammenreißen um noch einige Dias für den Peyto Lake aufzubewahren. Dieser See hat im nördlichen Teil die Form eines Fuchskopfes und wieder die jadegrüne Färbung die wir schon einige Male bei Gletscherseen beobachten konnten.
In Lake Louise fahren wir zuerst das Visitor Centre an um uns mit Infos zu versorgen. Dabei sehen wir den letzten Teil eines Filmes über Grizzlis. Unter anderem wird ein PKW gezeigt, den ein Bär zerlegt hat weil Lebensmittel darin waren. Die Feuerwehr mit hydraulischen Rettungsscheren könnte keine bessere Arbeit abliefern. Nachdem die Ansichtskarten gekauft sind, ist das nächste Ziel der Moraine Lake. Moraine_L.jpg

So ein sattes Türkis habe ich noch nie in der Natur gesehen, da verblassen sogar die Postkarten. Ich bin total begeistert und lasse die Kamera klicken. Zwanzig Minuten warte ich bis ein passendes Wolkenloch die Sonne auf das Wasser fallen läßt. Es ist herrlich hier.

Anschließend wollen wir zum Lake Louise mit seinem touristischen Muß, dem Hotel „Chateau Lake Louise" aber Ramona meint: „Laßt uns lieber erst einen Stellplatz reservieren." Recht hat sie, denn es sind sehr viele Touristen hier die ja alle einen Platz brauchen. Es ist aber schon zu spät, auf den Campgrounds im Stadtgebiet gibt es keine freien Stellplätze mehr. Erst vierzehn Kilometer südlich, auf dem Protection Mountain Camp,  können wir unter Schwierigkeiten noch einen ergattern. Es ist kurz vor 19:00 Uhr und somit hat es keinen Sinn mehr zurückzufahren. Das Mobil wird mit Keilen waagerecht geparkt, danach Essen gekocht und gegessen. Gemütlicher Ausklang des Tages.


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Banff

Samstag, 19.07.97

Standort morgensNach einer kalten Nacht, klingelt der Wecker heute um 8:00 Uhr. Ingo geht in den Waschraum. Heute fällt ihm ein kleiner Knopf im Türknauf auf. Er drückt mehrmals darauf herum ohne eine Funktion zu erkennen schließlich verlässt er den Waschraum und schlägt die Tür hinter sich zu. Nach ihm will Ramona sich waschen und .... kann die Waschraumtür nicht öffnen. Wir können uns das gar nicht erklären, bis Ingo von dem Knopf erzählt. Jetzt ist alles klar, die Tür ist von innen verriegelt. Unser Ingo, was er nicht machen soll - zum Beispiel kleine Knöpfe drücken oder Harz von den Bäumen kratzen - reizt ihn ungemein. Jetzt sind wir froh über unser Werkzeug, denn irgendwie muß das Schloß ausgebaut werden. Das gelingt uns schließlich auch und Ramona kann sich den Schlaf aus den Augen spülen. Wo ich schon mal dabei bin, versuche ich auch das Harz (siehe oben) mit einem benzingetränkten Küchentuch vom Fußboden zu entfernen. Als auch dieses Malheur beseitigt ist, stärken wir uns mit einem guten Frühstück.
Am späten Vormittag parken wir das Wohnmobil auf dem Parkplatz am Johnson Creek, um eine Wanderung zu den Johnson Falls zu unternehmen. Der Weg führt durch eine Schlucht, ständig bergauf, streckenweise über einen Bohlensteg an der senkrechten Felswand über dem Wasser. Der Himmel strahlt in sattem Blau, keine Wolke behindert die Sonnenstrahlen, es ist sehr warm. Sehr auffällig ist heute wieder die Angst der Amerikaner vor dem Verdursten. Mehr als drei viertel der Touris schleppt die obligatorischen Getränkebehälter mit den vielfarbigen Limonaden mit sich herum. Dabei sind es bis zu den Fällen nur etwa 1,1 bzw. 2 Meilen. Bis zum oberen Wasserfall zu gehen haben wir nicht bereut, so einen wunderschönen natürlichen Whirlpool mit türkisklarem Wasser und Mini-Regenbogen wird man in keinem Supererlebnisbad zu sehen bekommen.
Mittags erreichen wir Banff. Zuerst wird die Gelegenheit zum dumpen (Schmutzwassertanks entleeren) und bunkern von Frischwasser wahrgenommen. Auch die Scheiben bekommen eine Dusche ab. Anschließend in die Innenstadt zur Post. Pech, das Postamt hat geschlossen, was machen wir jetzt mit unseren Postkarten?
Der Nachmittag gehört dem Sightseeing. Als erstes besuchen wir die Aussichtspunkte über den Bow River Falls, mit der Postkartenansicht auf das Banff Springs Hotel und den weißschäumenden Stromschnellen davor. Anschließend steht ein Besuch der heißen Schwefelquellen im „Cave and Basin Centennial Centre" auf dem Programm. Die Quellen wurden im Winter 1883 von drei Waldläufern entdeckt, die für die Eisenbahngesellschaft arbeiteten. Dampf stieg aus einem Loch im Waldboden, in die frostige Luft auf. Die drei stiegen an einer schnell gefällten Fichte durch das Loch in die Tiefe und meinten bald, vor der Chance ihres Lebens zu stehen. Diese Entdeckung wollten sie nutzen und ein Heilbad eröffnen. Da hatten sie aber die Macht der Bahngesellschaft unterschätzt. Diese setzte ihren Einfluß ein und vereinnahmte das Gebiet um die Quellen. In dem folgenden Prozeß entschied die Jury sehr salomonisch: Wenn zwei sich streiten und die Lage verzwickt ist, freut sich der Staat. Die streitenden Parteien gingen leer aus, das Gebiet wurde unter Naturschutz gestellt und es entstand der erste Nationalpark Kanadas. Durch den Bau des heutigen Wahrzeichens von Banff, das Banff Springs Hotel, sicherte sich die Canadian Pacific Railway aber doch noch den wirtschaftlichen Erfolg durch die Vermarktung der Nationalpark-Idee. Heute ist die, aus dem Jahre 1914 stammende, Badeanlage ein Museum und nicht mehr in Betrieb. Durch einen Tunnel gelangt man in die Grotte in der sich ein Quellbecken befindet. Ein durchdringender Geruch durchzieht die Anlage, der bei den Außenbecken noch penetranter wird. Er stammt vom Schwefelwasserstoff in dem heißen Wasser. Auf Eier haben wir für einige Zeit keinen Appetit mehr.
Zurück im Ort, lotst uns ein netter Kanadier zu einer Tankstelle die auch Flüssiggasanlagen betankt. Er bittet Ingo, der als Dolmetscher fungiert, sich ein bißchen mit seiner Frau auf deutsch zu unterhalten. Es folgt das übliche, freundliche, woher wohin warum, oh verry nice! Sie hat Vorfahren aus Germany.
Wir verlassen diesen Touristenort mit ganzjährigem Weihnachtsshop, auf dem Trans Canada Highway in Richtung Calgary. Bald biegen wir aber ab und folgen dem Bow River auf der alten Straße 1 A. Hier fährt kaum ein Auto. Nach kurzer Zeit liegen die Rocky Mountains hinter uns. Links und rechts dehnen sich die Hügel der Vorgebirge, voraus erstreckt sich die wellige Prärie. Im Regenschatten der Gebirge ist das Land trocken, baum- und strauchlos. Nur in den Flußtälern gibt es vereinzelt Buschwerk. Die schönen Campgrounds in malerischer Landschaft sind vorerst passè. In Cochrane, einem Präriestädtchen, fahren wir deshalb auf einen reizlosen „RV-Park." Dieser besteht aus einem eingezäunten Gelände mit einem Rasenplatz in der Mitte und RV-Boxen rings um das Areal. Es ist ein besserer Parkplatz auf dem Hochufer des Bow River, mit Dusche inklusive Fußpilzgefahr.


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Calgary

Sonntag, 20.07.97

Standort morgensAuf nach Calgary. Ramona freut sich schon auf die Shopping-Center, die Wolkenkratzer und den Tower. Zuerst erreicht man aber, von den Rockys kommend, das Olympia-Gelände am Stadtrand von Calgary. Man ist hier mächtig Stolz darauf, die Olympischen Winterspiele von 1988 ausgerichtet zu haben und zeigt es auch. Der Canada Olympic Park ist heute ein Freizeitpark, in dem die Erinnerung an das Großereignis vermarktet wird. An der Information erhalten wir einen kopierten Stadtplan. Mit dessen Hilfe entscheiden wir uns für einen Parkplatz in der Nähe des Calgary Towers. Ein Glück, daß heute Sonntag ist. An Wochentagen hätten wir mit dem Parken doch ziemliche Probleme bekommen. Als Erstes fahren wir mit dem Expresslift auf dem 191 Meter hohen Turm, der als Wahrzeichen der Stadt zur Olympiade noch das höchste Gebäude war, jetzt aber schon von Neubauten überragt wird. calgary.jpg (201311 Byte)

Von seiner Aussichtsplatform hat man eine grandiose Aussicht, gerade an so einem wunderschönen Tag wie heute. Im Westen sind die Schneegipfel der Rocky Mountains zu sehen, im Osten dehnt sich die hügelige Weite der Prairie. Bis in den Dunst am Horizont erstrecken sich auch die weitläufigen Vororte mit den ein- oder zweistöckigen Eigenheimen. Hochhäuser gibt es nur im unmittelbaren Bereich des Zentrums.

Wieder unten, benutzen wir das, hoch über den Straßen verlaufende, Fußwegenetz „Plus 15." Im Gegensatz zu Vancouver sind hier die Glaspaläste mit ihren Büros, Banken und Shopping Malls nicht unter der Erde sondern in 15 Fuß Höhe durch verglaste Brücken verbunden. Dem wetterunabhängigen Einkaufsvergnügen steht nichts im Wege, wir schauen aber nur. Besonders angetan hat es mir der Devonian Garden im Toronto Dominian Square. Man betritt im dritten Stock des Gebäudes einen Botanischen Garten mit Teichen voller Goldkarpfen, Wasserschildkröten, Brunnen und kleinen Wasserfällen. Dieses künstliche Paradies mit über 20 000 Pflanzen erstreckt sich vom zweiten bis zum vierten Stockwerk.
Das heutige Calgary verdankt seine Wirtschaftskraft nicht mehr alleine der Vermarktung des Weizens und der Rinder sondern auch der Erschließung von Öl- und Gasvorkommen in Alberta. Deshalb besuchen wir das Energeum, ein Energiemuseum das von den Energieunternehmen finanziert wird. Wir hatten es uns größer vorgestellt, doch für die Vermittlung von Basisinformationen über Lager- und Fundstätten sowie verschiedener Fördertechniken an Modellen und Schautafeln reichte es. Anschließend nehmen wir wieder das Pflaster unter die Schuhe, flanieren durch die Fußgängerzone und erreichen die Markthallen vor dem Prince`s Island Park. Wir stärken uns mit Fish and Chips um dann auf dem Rückweg durch das China-Haus (direkt auf einer Straße errichtet) und Chinatown nach einiger Zeit unsere Sightseeing Wanderung beim Wohnmobil zu beenden. Es sind 28° Celsius.
Über die Ausfallstraße 2. South verlassen wir die Stadt in südlicher Richtung. Die Straßen führen jetzt, wie mit dem Lineal gezogen, durch das hügelige Grasland. Um 19:00 Uhr ist Feierabend für heute. Unser Standplatz ist auf einem primitiven Basiscamp, am Flußufer in der Nähe einer Brücke. Zum Tagesausklang wetteifern alle am Fluß beim Steinetitschen. Nachts werde ich von einem ekelerregenden Gestank wach, es stinkt nach Aas. Wahrscheinlich haben Kojoten ihren Bau in dem Buschwerk hinter unserem Mobil.


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Waterton Lake NP

Montag 21.07.97

Standort morgensEs ist schon wieder 10:00 Uhr bis es losgeht. In dem Ort Fort Macleod, einem kleinen Prairienest, wird nach einem Telefonhäuschen Ausschau gehalten, denn wir müssen „nach Hause telefonieren." Über Pincher Creek, wo ein Großeinkauf fällig ist, geht es weiter zum Waterton Lake National Park. So heißt der „International Peace Park" auf kanadischer Seite, der amerikanische Teil wird Glacier National Park genannt.

Im Jahre 1818 wurde hier auf dem 49. Breitengrad eine willkürliche Grenze gezogen. Sie trennt die Vereinigten Staaten im Süden von Kanada im Norden. Sie durchschneidet die einheitliche Naturlandschaft des Waterton- und Glacier-Gebietes und somit auch das damalige Rückzugsgebiet der Indianer. Die Prairie-Indianer nutzten die Passübergänge in diesem Gebiet um sich im Herbst in die schützenden Rocky-Mountains zurückzuziehen. Im Frühjahr zogen sie dann wieder in die Prairien um den Büffeln zu folgen.

Ein winziges Stück folgen wir den Spuren der Ureinwohner. Erst mit dem Wohnmobil durch ein sanft ansteigendes Tal bis zum Ende der Straße. ReRo-Creek.jpgDann wird am Red Rock Creek entlang gewandert. Nasser und trockener, rostroter und weißer Fels bringt starke Farbkontraste in die vielen Grüntöne der Vegetation.

Über allem erhebt sich der rote Berggipfel des Red Rock. Die Temperatur beträgt bestimmt 30° Celsius, die Insekten sind lästig und abseits der Wege gäbe es kein Durchkommen durch diesen Urwald. Wir sind froh, nicht unsere gesamte Habe auf dem Rücken hier durchschleppen zu müssen.

Das nächste Ziel ist der Ort Waterton Townsite. Nach der puren Natur ein Schock. Es geht hier zu wie in einer bayerischen Touristenhochburg. Die Attraktion ist das legendäre Prince of Wales Hotel. Es wurde 1927 von der Great Northern Railway Company erbaut. um den Tourismus anzukurbeln, mit nachhaltigem Erfolg.
Wir drehen sofort um und finden etwa zwei Kilometer vor dem Ort ein malerisches Fleckchen am Waterton Lake mit einem herrlichen Panorama. Das schloßartige Prince of Wales tront auf seiner Halbinsel im See.
Ich stürze mich in die kalten Fluten. Für drei Minuten, dann bin ich ausgekühlt bis ins Mark. Der Rest der Familie taucht nur eben die Füße ein. Wir machen Picknick und nehmen dann ein Sonnenbad, das ist angenhmer.

Um 17:25 Uhr reisen wir wieder in die USA ein. Ein Grenzer in tadelloser Uniform und militärischer Haltung verlangt unsere Pässe und fragt uns aus. Ingo steht Rede und Antwort. Abschließend erhält er noch ein Lob wegen seiner Sprachkenntnisse und der Satzstellung, na das hebt doch das Selbstbewußtsein.
Drei Kurven weiter begrüßt uns das Bergmassiv des Chief Mountain, in den USA / Montana. Der Chief ist der heilige Berg der Indianer.
In St. Mary sind 10 Dollar Eintritt für den Glacier NP fällig. Unmittelbar hinter dem Parkeingang liegt der St. Mary Campground. Zuerst wird ein Stellplatz reserviert. Auf die Tischplatte ist ein Schild getackert: Es ist bei 25 Dollar Strafe verboten Lebensmittel auf dem Tisch stehen zu lassen, das gilt sogar für ein Glas Wasser. Bärengebiet.
Wenn heute die Steaks gegrillt werden sollen müssen wir das Holz in St. Mary in einem Campingladen kaufen. Zurückfahren? Nein, hier muß doch genügend Schwemmholz am See liegen. Die Going-to-the-Sun Road, die interessanteste Hochgebirgsstraße durch den Park, führt direkt am St. Mary Lake entlang. Leider ist der Hochgebirgsteil für größere Wohnmobile gesperrt, also auch für uns. Die Straße ist stellenweise aus dem Fels gehauen und die Aufbauten würden oben am Fels anecken. Bis zum Ende des Sees dürfen wir aber, dort drehen wir auf einer Wendestelle für größere Fahrzeuge. Wir kommen ohne Holz zurück, kein Lagerfeuer, kein Grill. Statt dessen ziehen Wolken auf und in der Dämmerung entlädt sich ein krachendes, tosendes Sommergewitter. Wir legen uns schlafen.


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