Kaiser´s Reiselogbuch


Polen, Ostseeküste I

Anfangs führt unsere Tour immer an den wunderschönen Stränden der Ostseeküste ostwärts.
Nachdem sich das Wetter verschlechtert, machen wir einen Abstecher in das Landesinnere, in das ca. 100 Km entferte "Fünf-Seen-Tal".

Wieder zurück an der Küste, besuchen wir die Kurstadt KOLOBRZEG / KOLBERG.


Übersicht Gesamtstrecke 
Übersicht über die 1. Teilstrecke in Polen


(Bilder-Album am Seitenende)

6. Tag ( 27.05.05)

Der gestrige Tag hat mit den Temperaturen schon mal an den 29° Celsius gekratzt. Heute scheint es noch heißer zu werden.

Beim Frühstück beschließen wir, zu Fuß in das angrenzende Gebiet des Wolliner Nationalparks, den WOLINSKI PARK NARODOWY, zu gehen.

Die Insel Wollin, im Oderdelta gelegen, wird durch eine Endmoräne gebildet, deren hoher Teil – die höchste Erhebung ist 95 Meter – der Ostsee zugewandt ist. Landeinwärts wird sie immer flacher mit Seen und Sumpfgebieten.

Bald sind die Steilabbrüche erreicht. Zwischen Wassersaum und Steilhang dehnt sich ein makelloser Strand, dessen Sand sogar Laute von sich geben kann. Wenn beim Gehen die Füße etwas schleifend aufgesetzt werden, ist ein Ton zu hören der etwas an das pulverige knirschen von sehr kaltem Neuschnee erinnert.

Das Hochufer ist von Kiefern und Buchenwäldern bestanden, deren vorderste Vertreter bisweilen den Halt verlieren und den Abhang zum Strand hinunterstürzen. Auf schrägen Abbrüchen wachsen Grassoden und Büsche mitunter noch einmal an, an senkrechten Stellen ist das nicht möglich. So weicht die Küste im Mittel pro Jahr 0,8 Meter zurück.

In ca. 5 Kilometer Entfernung steht ein Leuchtturm im Wald auf der Höhe, der über 290 Stufen bestiegen werden kann. Man soll einen wunderbaren Ausblick genießen können.

Nach einer Stunde Marsch ist von einem Turm weit und breit nichts zu sehen, außerdem führt kein Weg auf das Hochufer hinauf. Wir gehen noch ein Stück weiter. In einiger Entfernung sehen wir Menschen am Strand, dort muss ein Weg oder Übergang sein. Da angekommen fragen wir nach dem Leuchtturm. Ja, wir seien schon daran vorbei, allerdings könne man jetzt auf einem Waldweg zurückgehen und ihn in ca. 15 Min. erreichen, erklärt uns ein junger Familienvater auf Englisch.

Nach wenigen Metern in dem nach Harz riechenden Wald, stürzen sich scharenweise die Mücken auf uns und die unbedeckten Hautpartien. Wild um uns wedelnd stürmen wir hinauf auf die Höhe. Nein, hier im Wald bleiben wir nicht. Sobald wir auf dem Turm waren kehren wir zum Strand zurück, diesen Waldwanderweg soll laufen wer will, wir aber nicht.

Nach einer guten viertel Stunde haben wir immer noch nichts von einem Leuchtturm erspäht nur hohe Bäume um uns herum. Nach der Überlegung, ein Leuchtturm muss doch auf einer Anhöhe stehen, verlassen wir den Pfad und schlagen uns durch das Unterholz die Hügel hinauf, immer verfolgt von Mückenschwärmen. Bald wissen wir gar nicht mehr wo wir uns befinden und fühlen uns schon etwas wie Hänsel und Gretel.

Um die Sache abzukürzen, den Turm haben wir nicht gefunden, allerdings den Wanderweg, der quer durch den Nationalpark führt. Wir folgen ihm und sind zur Kaffeezeit wieder an unserem Campingplatz, auf die zusätzlichen Mückenstiche kam es jetzt auch nicht mehr an. Nach Berechnung war unsere kombinierte Strand- und Waldwanderung 15 Kilometer lang.

Nach dem Duschen wird für den Rest des Tages nur noch gefaulenzt.

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7. Tag

Heute wollen wir einen Ortswechsel vornehmen, zuvor wird noch in aller Ruhe gefrühstückt und anschließend Wasser aufgefüllt.

Kurz nach 10:00 Uhr rollt das WOMO vom Platz. Im nächsten Ort noch schnell Brot und Butter einkaufen dann geht es weiter ostwärts. Aber nicht lange. Nach 27 Kilometern ist der Ort REWAL erreicht. Ein ehemaliges Fischerdorf, das heute fast ausschließlich vom Tourismus lebt. Der Campinglatz sagt uns zu und so suchen wir hier einen Stellplatz für das kommende Wochenende. Etwa 50 Meter von der Steilküste entfernt, hinter einem schmalen, Wind brechenden Waldstreifen werden wir fündig.

Inzwischen ist die Quecksilbersäule auf über 32° Celsius geklettert, kein Wölkchen mindert die Sonnenstrahlen. Unter der Markise ist jetzt der beste Platz. Erst am späten Nachmittag steigen wir die, dreihundert Meter entfernt stehende, steile Treppe hinunter an den Strand. Das Wasser ist mit 14° Grad für unseren Geschmack zu kalt zum Planschen und das Hocken im Sand auf die Dauer zu langweilig, so spazieren wir erst in die eine und dann in die andere Richtung am Wassersaum entlang. An dem Platz, wo die Fischerboote auf den Strand gezogen werden, biegen wir in den Ort Rewal ab. Nach einem Orientierungsrundgang steht fest, heute bleibt die Küche kalt, es wird in einem Restaurant gespeist. Brigitte hat sich in einem Aushang in eine Forelle im Gemüsebett verguckt und ich werde auch etwas finden.

Am Abend, es ist immer noch sehr warm, sitzen wir auf einer Restaurantterrasse und lassen es uns schmecken, Die Preise für Lebensmittel und Essen sind hier noch sehr günstig und strapazieren den Geldbeutel kaum. So kostet unser Essen, Brigittes Forelle und ich hatte ein Nackensteak ausgesucht, einschließlich Getränke umgerechnet 16,50 EUR. Das ist sicher auch ein Grund dafür, dass hier sehr viele Berliner und Ostdeutsche anzutreffen sind. Auf dem Campingplatz stehen allein fünf Berliner Wohnwagen bzw. Wohnmobile. Fast jedes Haus im Ort vermietet Zimmer oder Ferienwohnungen, zudem können auf Campingplätzen oder Ferienparks Holzhütten gemietet werden, Die massenhaften Ferienparks machen auf uns den Eindruck als seien sie Erholungsanlagen von Staatsbetrieben, Gewerkschaften, Sportverbänden und Jugendvereinigungen, oder sind es gewesen.

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8. Tag

In den kühleren Morgenstunden soll es heute per Fahrrad an der Küste entlang gehen, Wir sind früh wach, merken aber recht schnell, dass das Wetter gewechselt hat. Gestern noch so heiß, dass man nicht einschlafen konnte, weht heute ein kühler Seewind und Wolken verdecken zeitweise die Sonne. Also hat es keine Eile mit der Radtour.

Östlich von Rewal liegen noch zwei Orte bis, laut Karte, die Straße aufhört. Es ist das typische Bild von Seebädern wie es auch an der deutschen Ostseeküste anzutreffen ist. Nicht so elegant oder gar mondän, aber genauso viel Rummel und Trubel. Ein entscheidender Unterschied der uns auffällt ist der, dass die Kirchen die Touristen welche dem Gottesdienst beiwohnen nicht fassen können. Lautsprecher übertragen die Worte des Priesters auf den Kirchenvorhof und die Straße. Bei der Wandlung knien die Leute nieder wo sie stehen, auch auf dem Bürgersteig oder Radweg.

Als am Ende des zweiten Ortes die Straße tatsächlich aufhört, biegen wir aufs gerade Wohl rechts ab und treffen nach kurzer Strecke auf einen Radweg der auf einer Betonplatten-Straße durch den Wald führt. Leider nur ein paar Kilometer, dann ist vor der Schranke eines Militärgeländes Schluss. Auf Waldwegen wird wieder die Ostsee erreicht. Nach Überklettern der Dünen liegt ein fast menschenleerer Strand vor uns, nur Strandwanderer gehen an der Wasserkante entlang.

Auf dem Rückweg wird noch ein Stück Räucherfisch eingekauft, das unser Mittagsimbiss wird. Der Nachmittag gehört den Liegestühlen und Büchern.

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9. Tag

Frühmorgens weckt uns grollen und rumoren und dann ein Donnerschlag. Gewitter! Brigitte denkt gleich an meine Fahrradtasche die noch am Lenker hängt und scheucht mich hinaus, sie aus dem einsetzenden Regen zu bergen. Wieder im Bett, laden die trommelnden Regentropfen auf dem Fahrzeugdach zum Weiterschlafen ein.

Irgendwann muss doch aufgestanden werden, doch wie hat sich das Wetter verändert. Nur kurze Pausen unterbrechen den eintönig fallenden Regen. Unter diesen Umständen überdenken wir den Plan, heute in das alte Kurbad KOLBERG / KOLOBRZEG zu fahren. Stadtbesichtigungen bei Regen sind nicht so der Hit.

Nach Kolberg sollte es ins Landesinnere gehen, an die Pommersche Seenplatte. Das Programm ziehen wir jetzt vor. Uns scheint es angenehmer, die Wetterbesserung an einem See abzuwarten als in einer Stadt.

Das „Fünf Seen-Tal“ liegt gute 100 Kilometer südlich von Kolobrzeg / Kolberg in sanft hügeliger Landschaft. Der Weg führt uns durch zahlreiche kleine Dörfer und Städte. An Getreidefeldern und Brachflächen vorbei, rollt das WOMO auf engen Linden- und Kastanienalleen durch ein großes Torf-Abbaugebiet und ausgedehnte Laubwälder. Die durchschnittliche Geschwindigkeit liegt bei 55 Km/h auf Straßenbelägen von ganz gut bis ganz schlecht, wobei die Schlaglochpisten eher in den Ortschaften anzutreffen sind.

Als das heutige Ziel erreicht ist, der Campingplatz „Drawtur“ am Drawsko-See bei CZAPLINEK gelegen, schüttet es noch einmal wie aus Kannen. Der Platzwart steht mit Regenschirm am Tor, fragt auf Englisch nach den Wünschen, nennt 15 Zloty (3,75 EUR) als Übernachtungspreis und meint dann, wir sollen uns einen Platz aussuchen. Wir verfahren uns zuerst auf dem riesigen Areal zwischen den vielen, zum Teil sehr schönen Ferienhäuschen und finden erst im zweiten Anlauf die Campingwiese am Jachthafen. Es stellt sich heraus, dass wir heute die einzigen Gäste sind. Weil das Sanitärgebäude renoviert wird und eher wie eine Bauruine aussieht, können wir das Badezimmer in einer Ferienhütte benutzen.

Im Laufe des Nachmittags kommen noch ein Ehepaar mit Wohnwagen aus Deutschland und ein Däne als Campinggäste auf den Platz. Etwas Leben bringen zwei Busladungen Schüler in das Gelände, die hier mit ihren Betreuern einen Spiele und Sportnachmittag inklusive Tretbootregatta und segeln verbringen. Zum Glück für alle, bleibt es für den Rest des Tages trocken.

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10. Tag
Dauerregen am Morgen. Im Laufe des Tages reißen die Wolken auf, Sonnenstrahlen lugen durch die Löcher um kurze Zeit später dunklen Regenwolken zu weichen. Daraus entladen sich Schauerböen, die von mal zu mal stärker werden. Am Spätnachmittag haben sie Sturmstärke erreicht, der See ist mit weißen Schaumkronen bedeckt, das andere Ufer ist vor lauter Wasser in der Luft überhaupt nicht mehr zu sehen.

Wir machen daraus einen typischen Lesetag. Dumm nur, dass es zudem auch noch kalt geworden ist. Ab Nachmittag läuft die Heizung.

Zum Abend ein freundlicheres Bild, der Himmel klart auf. Wir hoffen für morgen wieder mit schönerem Wetter.


11. Tag

Pustekuchen, es regnet schon wieder aus tief hängenden Wolken. Es ist grau in grau.

Noch einen Tag wollen wir nicht vertrödeln und brechen auf nach KOLOBRZEG / KOLBERG, im Norden an der Küste.

Der Campingplatz „Baltic“ ist problemlos zu finden und liegt im Küstenpark, je zehn Minuten Fußweg zur Altstadt, der Kurstadt und dem Strand. Um alles heute Nachmittag abklappern zu können nehmen wir wieder das Fahrrad.

Hier ist nicht so viel Strandrummel und es sind auch nicht so viele Eis- Souvenir- und Futterbuden an der Promenade wie in anderen Seebädern. Hier ist alles etwas gediegener, die Kurstadt beherbergt alleine 30 Sanatorien und Kurkliniken. Dazu kommen noch einmal etliche Hotels, einige davon nagelneu oder noch im Bau. Die im Kriege restlos zerstörte Altstadt wurde vor wenigen Jahren wieder aufgebaut, Die Marien-Kathedrale bekam ihre neue Weihe im Jahre 2000. 

Leider fehlt die Sonne, bei grauem Himmel wirkt alles etwas grau in grau. Hier in der Altstadt finden wir auch ein Internet-Cafe, von dem aus wir unseren bisherigen Reisebericht verschicken. Nach einem kleinen Einkauf von Frischwaren, mitten in einer riesigen Plattenbausiedlung, lenken wir die Drahtesel wieder zum WOMO zurück. Es wird jetzt Literatur gewälzt, der nächste und übernächste Tag wollen geplant werden.

Am Abend beobachten wir wie ein neuer Mercedes auf den Campingplatz einbiegt, das Tor öffnet sich das Fahrzeug parkt, der Fahrer nimmt seine Aktentasche und verlässt den Platz Richtung Plattenbau-Siedlung. Er hat offensichtlich hier einen bewachten Parkplatz gemietet. Da die Campingplätze sowieso rund um die Uhr bewacht sind bietet sich das ja an. Wer hier in Polen ein wertvolles oder neues Auto fährt, oder sonst wie auf Nummer sicher gehen will bedient sich der überall zu findenden bewachten 24-Stunden-Parkplätze.
Wer das nicht bezahlen kann oder will hat zumindest eine Alarmanlage eingebaut. Wir beobachteten einen Angler der in seinem alten Golf II alle Türen mit einem Kontakt versehen und mit der Hupe verbunden hatte. Als er seine Angel einpacken wollte und die Heckklappe öffnete, tönte die Hupe los, er hatte vergessen vorher seine Alarmschaltung zu deaktivieren. So passiert es offensichtlich vielen Autobesitzern, denn ständig jaulen irgendwo Alarmanlagen los und keiner stört sich noch daran.

Aus dem allgegenwärtig zu beobachtendem Umstand, dass Eigentum hier auch entsprechend zu schützen ist, sei es durch Zäune, durch bezahltes Wachpersonal oder durch Wachhunde – hier werden sehr viele große Hunde gehalten, auffallend viele Deutsche Schäferhunde – denken wir, unsere Entscheidung immer auf Campingplätze zu gehen ist richtig.

Das praktizieren wir sonst ganz anders aber man muss sich den Bedingungen eben anpassen.

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