Kaiser´s Reiselogbuch


Litauen Rückreise

Hier ist es ähnlich wie im Hinterland der anderen Baltischen Staaten. Viel Natur, eine wirtschaftlich abgehängte Gesellschaft, aber herrliche Nationalparks.
Die Hauptstadt VILNIUS liegt auch im Hinterland und ist deshalb nicht ganz so geschäftig wie RIGA oder TALLINN. Unweit davon liegt die ehemalige Hauptstadt TRAKAI mit seiner malerischen Inselburg.



Übersicht Gesamtstrecke 
Übersicht über die Strecke bis Litauen Rückreise


(Bilder-Album am Seitenende)



52. Tag

Kraslava ist für Litauen, was der Spreewald für Deutschland ist. Gestern hatten wir den Marktfrauen schon Gurken abgekauft, sie waren so knackig-zart, dass sie wie ein Apfel verspeist werden können. Deshalb wird noch einmal Nachschub besorgt, bevor wir die Stadt Richtung Daugavpils verlassen. Dort wollen wir noch einmal im Supermarkt zuschlagen und Diesel bunkern. 

Es sind immer noch Lats im Portemonnaie als wir die Grenze zu Litauen überqueren. Hier werden unsere Ausweise und Autopapiere zum ersten Mal zu einer intensiven Kontrolle ins Wachhäuschen mitgenommen. Es dauert so lange, dass ich in der Zwischenzeit den Motor abstellen kann. Endlich kommt der Grenzer wieder und wünscht uns „Gute Fahrt“.

Bald verlassen wir die Europastraße Nr. 6 um in den AUKSTAITIJES Nationalpark einzufahren. Die Landschaft hat sich wieder verändert. Ein stark hügeliges Endmoränengebiet mit vielen eingelagerten Seen und ausgedehntem Wald umgibt uns jetzt.

Auf einem Rastplatz informiert uns eine große Informationstafel unter anderem auch über Zeltplätze in dem Gebiet. Einer ist per Teerstraße zu erreichen und den suchen wir jetzt auf.

Einige Zelte stehen schon hier, wir stellen uns dazu. Der Zeltplatz VAISNUNAI ist ähnlich wie die RMK-Plätze in Estland hergerichtet. Tische, Bänke, Feuerstellen, Abfallbehälter und Trockentoiletten sind vorhanden. Zusätzlich gibt es noch einen Badesteg und ein Beachvolleyball-Feld.

Am Abend kommen zwei junge Männer und kassieren die recht niedrigen Standgebühren, die am Info-Brett aushängen.

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53. Tag

Nach dem Frühstück schreibe ich am Reisebericht weiter, denn es könnte sich heute die Möglichkeit ergeben ihn per Email wegzuschicken.

So kommen wir erst kurz vor Mittag ins Rollen. Zuerst eine Rundtour durch den Aukstaitijes Nationalpark bis in das Örtchen PALUŜE. Hier ist eine gut erhaltene Holzkirche zu sehen und auf dem Kirchhof stehen Heiligenfiguren die aus einem Baumstamm geschnitzt sind. Diese Art Totempfähle sind in Süd-Ost-Litauen sehr oft anzutreffen. Nicht alle stellen religiöse Motive dar, es gibt die unterschiedlichsten Bildergeschichten auf den geschnitzten Baumstämmen zu entdecken. Der tiefere Sinn der Figurenpfähle ist uns nicht bekannt.

Direkt hinter der Kirche liegt einer der wenigen Campingplätze Litauens, der westlichen Standard bietet.
Insgesamt elf Plätze existieren zur Zeit, inklusive der vier neuen aus 2004.

Über das nächste Ziel diskutieren wir, während wir auf der A14 südwärts rollen.

VILNIUS, die heutige Hauptstadt Litauens, oder TRAKAI, die ehemalige Landeshauptstadt? Besuchen möchten wir beide, dazu müssen wir auf jeden Fall VILNIUS ansteuern. TRAKAI liegt ca. 30 Kilometer westlich davon. Brigitte gibt zu bedenken, dass die Inselburg TRAKAI evtl. schon um 17:00 Uhr ihre Pforten schließt und das wäre zu wenig Zeit für uns.

Das Argument gibt den Ausschlag sich heute Vilnius anzuschauen, denn bei einer Stadtbesichtigung gibt es keinen Zapfenstreich.

Mit einigen Umwegen erreichen wir den bewachten Parkplatz am KALNY-Park. Der Parkwächter fragt uns zuerst ob wir nur parken oder auch schlafen wollen. An die zweite Möglichkeit hatten wir gar nicht gedacht, nach dem offerierten Preis - 22 Litas - entscheiden wir uns für das Übernachten auf dem rund um die Uhr bewachten Parkplatz.

Wir haben es nicht bereut und können diese Möglichkeit jedem Reisemobilisten nur empfehlen. Der Platz liegt direkt neben dem Nationalmuseum und ca. 5 Minuten durch den Park von der Altstadt entfernt.
Vilnius hat keinen Campingplatz, was uns später bei der Touristinformation noch einmal bestätigt wird. Der nächste Platz liegt in TRAKAI.

VILNIUS hat bei uns im Vergleich zu den anderen Hauptstädten, Riga und Tallinn, den schwächsten Eindruck hinterlassen. Wirtschaftlich kann sie mit den anderen beiden nicht konkurrieren, sie liegt im Hinterland und hat nicht die Möglichkeiten wie die Hafenstädte Riga und Tallinn. Es geht hier augenscheinlich provinzieller zu als bei den Schwestern im Baltikum. 

Während des Rundganges fahren wir mit dem Schrägaufzug auf die Anhöhe hinter der Basilika, um den Gediminas-Turm zu besteigen. Von hier oben bietet sich ein schöner Rundblick über die Stadt. Sie sieht von oben auch hübscher aus als von Angesicht zu Angesicht. Brigitte entdeckt tatsächlich alle 22 Kirchen von VILNIUS, darunter auch die kleine St. Anna-Kirche mit ihrer verspielten und verschnörkelten, von Erkern und Türmchen verzierten Backsteinfassade. Napoleon soll auch von ihr so begeistert gewesen sein, dass er sie am liebsten mitgenommen hätte nach Paris.

Wir sind anschließend noch einmal in die Altstadt und zur St. Anna-Kirche gegangen um von nahem zu sehen was mit 32 verschiedenen Ziegelarten gestalterisch möglich ist.

Zum WOMO zurückgekehrt, kommen wir mit Reisenden aus Hamburg ins Gespräch, die hier auch übernachten wollen. Als diese spät am Abend von ihrem Stadtbummel zurückkehren und erfahren, dass der Platzwächter von 23;00 bis um 6;00 Uhr nicht selbst anwesend ist, sondern das Tor verschließt und den Wachhund frei herumlaufen lässt, fühlen sie sich nicht sehr wohl und verlassen noch ganz schnell den Platz.

So kommt es, dass viele Autos, der Wachhund und wir eine ruhige Nacht mitten in Vilnius verbringen.

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54. Tag

Auf gut ausgeschilderten und ausgebauten Straßen verlassen wir Vilnius problemlos Richtung Trakai. Dort ergattern wir noch einen günstig gelegenen Parkplatz, nur wenige Minuten Fußweg entfernt vom Holzsteg, der auf die Burginsel führt. Der Parkplatz ist teurer als der Eintritt in die wieder aufgebaute Burg, es hat sich aber gelohnt. In der Burg ist ein Museum untergebracht, das mehrere zigtausend Stücke katalogisiert hat und ganz exquisite Exponate in seinen Vitrinen zeigt.

TRAKAI lebt ausschließlich vom Tourismus den die Burg und die vielen Seen bescheren. Der Ort selbst liegt fast auf einer Insel, so ist er in die Seenlandschaft eingebettet. Es ist sehr hübsch hier.
Olympische Regattabahnen für Kanadier und Marinas für Segelboote stehen zur Verfügung. Segel- und Ruderbootverleihe, Souvenirbuden, Restaurants und Cafes bieten ihren Service an. 

Wieder unterwegs suchen wir ein Restaurant, das stellt sich aber als schwierig heraus. Auf den kommenden 60 Kilometern durch eine schöne, hügelige Bauernlandschaft, in der die Heuernte in vollem Gange ist, gibt es keine Möglichkeit zur Einkehr. Hier sind wir wieder um Jahrzehnte in der Zeit zurückversetzt. Die Holzhäuser in den kleinen Ortschaften haben das gleiche Alter wie ihre Geschwister in den Freilichtmuseen. Das Heu wird lose mit der Heugabel auf den Pferdewagen geladen und oben von einer Person geschichtet und festgetreten. Störche sind nur wenige Meter entfernt, um unter dem abgeräumten Heu nach Futter zu spähen.

Erst in ALYTŪS haben wir sehr verspätet zu Mittag gegessen und sind anschließend zum Tagesziel, dem DZUKIJOS NATIONALINIS PARKAS, weitergefahren. Er liegt im äußersten Südostzipfel des Landes und grenzt an Weißrussland.

In MERKINĖS suchen wir die Ortsverwaltung auf, wo auch die Funktion der Touristinformation wahrgenommen wird. Wir werden mit sehr viel Info-Material versorgt, darunter auch eine Wanderwegbeschreibung in deutscher Sprache. Als Übernachtungsplatz wird ein Zeltplatz der Parkverwaltung empfohlen, der nicht weit entfernt an einem See liegt.

Als wir dort eintreffen ist eine laute „Russenparty“ im Gange. Zwei Familien haben die Autotüren ihres Fahrzeugs aufgerissen und das Radio plärrt, aufgedreht bis zum Anschlag, die russische Hitparade. Dazu wird getanzt und gesungen und nach unserem Eindruck, mehr als gut tut getrunken.

Hier können wir nicht bleiben und suchen, in der vorhin erworbenen Regionalkarte, nach einem anderen der vielen ausgewiesenen Zeltplätze. Die meisten sind schwer mit dem Auto zugänglich, jedenfalls mit einem von der Größe unseres Fahrzeugs, außerdem wollen wir nicht kilometerweit über Schotterpisten fahren. Die Wahl fällt auf einen Platz an der ehemaligen Furt der heutigen A4 durch den Fluss MERKYS. Es stellt sich heraus, dass an dieser Stelle kein Zeltplatz existiert, was uns aber nicht davon abhält, hier fernab jeder Behausung am Rand einer Lichtung zu parken. Wir haben eine wunderbar stille Nacht, nur hin und wieder dringt das Geräusch eines schweren LKW von der A4 herüber.

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.55. Tag (Fr. 15.07.05)

Das Fahrzeug haben wir in Merkinės auf dem Parkplatz abgestellt und sitzen um 10:00 Uhr auf unseren Fahrrädern. Bei diesem heißen Wetter ist an Wandern nicht zu denken, deshalb steht eine Radtour auf dem Programm. Von Merkinės führt ein markierter Radweg zu zwei Töpfereien auf einsamen Hofstellen in den umliegenden Wäldern, und an Waldseen vorbei zurück zum Ort. Was hier als Radweg bezeichnet wird, würde bei uns einem eingefleischten Mountainbiker das Herz jubilieren lassen. Unsere Begeisterung über die Fahrbahnbeschaffenheit der groben Schotterstraßen mit ausgeprägter Waschbrettoberfläche hält sich sehr in Grenzen. Die im Streckenverlauf liegenden tiefgründigen Sandwege sind teilweise auch nur schiebend zu bewältigen. Da sind die hügeligen Waldwege schon wesentlich besser zu befahren. Eigentlich sind Drahtesel nicht die richtigen Fortbewegungsmittel, es sollten richtige Esel, besser noch Pferde sein.

Bei einer Töpferei erstehen wir eine Tonpfeife in Widderform aus „Schwarzbrand“ das ist Ton der im Holzfeuer seine schwarze Farbe bekommt.

Als der Waldsee erreicht ist, wo auch ein Bade- und Zeltplatz existiert, sind wir nicht allein. Schade, wir wurden uns gerne erfrischen, haben aber keine Badesachen mitgenommen. Nach kurzer Zeit erreichen wir einen weiteren See, den wir für uns ganz alleine haben. Jetzt wird nicht lange gezögert und hinein geht’s ins frische Nass.

Wieder im Ort angekommen, geht’s in rasender Fahrt hinunter zum Fluss und hinüber auf die andere Seite. Hier soll es im Wald eine Findlingsgruppe geben die eine Art Sonnenuhr für die Jahreszeiten darstellt. Jeweils zur Tag- und Nachtgleiche im Frühling und Herbst, sowie zur Sommersonnenwende verbinden die Sonnenstrahlen unterschiedliche Findlinge mit einem Hauptstein. Leider haben wir uns in den vielen Wald- und Wiesenwegen verfahren und als es auf einem Wiesenstück am Flussufer nicht mehr weitergeht will Brigitte auch nicht mehr weiter, sie streikt. Also schieben wir wieder in den Ort auf dem Hochufer hinauf.

Den Nachmittag verbringen wir mit einer Rundfahrt durch den Nationalpark. Kurz vor VARENA lädt wieder einer der herrlichen Seen zum Baden ein und wir nehmen verschwitzt das Angebot an. Also gehört baden und sonnen auch zum heutigen Nachmittag. Später suchen wir wieder unseren gestrigen Stellplatz auf.


Weil wir heute Polen erreichen, geht es bei „Polen Rückreise“ weiter.



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