Kaiser´s Reiselogbuch


Australien

Südaustralien

Karte Australien-Victoria

South Australia

Ostermontag 17.04.06

Die Nacht ist bitterkalt. Um 4:00 Uhr werde ich wach, schlottere und kann nicht mehr einschlafen. Weil wir gestern nicht viel gefahren sind will ich jetzt die Zeit nicht in der Kälte vertrödeln. Ich ziehe mich an, sichere Brigitte auf unserem Heckbett mit der quergelegten Alkovenleiter die ich zusätzlich mit meinem Bettzeug und Kissen abpolstere.

Nachts zu fahren ist wegen den Wildtieren nicht ungefährlich und bei einer Vollbremsung darf natürlich niemand aus dem Bett geschleudert werden. Ramona ist wegen der Kälte schon gestern Abend zu Ingo in den Alkoven hinaufgeklettert, somit können die beiden beim Bremsen nicht aus dem Bett fallen.

Nach über zwei Stunden Fahrt bei höchster Aufmerksamkeit wird es dämmerig. Brigitte hat inzwischen auf dem Beifahrersitz Platz genommen und die Heizung läuft auf vollen Touren. Im Zwielicht sehen wir rechts und links der Straße Kängurus in Rudeln. Vorher, noch in der Dunkelheit, ist ein Waldkänguru etwa 50 Meter vor dem Fahrzeug über die Straße gehüpft. Wir sind erleichtert als es hell ist und in der Stadt Mount Gambier Frühstückspause gemacht wird.

Oberhalb der Stadt, im Krater des gleichnamigen, erloschenen Vulkans ist der 200 Meter tiefe, intensiv blaue Kratersee „Blue Lake“ zu sehen. Das Wasser hat Trinkwasserqualität und das Stadtwasserwerk versorgt von hier aus die ca. 23 000 Einwohner.

Blue Lake Kratersee

Nach einem Besichtigungsspaziergang geht’s wieder mit Vollgas auf den Highway Richtung Kingston.

Inzwischen hat sich der Himmel wieder bezogen und ein kräftiger Gegenwind bremst und schüttelt das WOMO.

Ein riesiger Stahl-Lobster deutet am Ortseingang darauf hin, dass Kingston das Zentrum des Hummerfangs ist. Aus dem Reiseführer wissen wir, dass an der Seebrücke in Kingston bei „Lacepede Seafood“ jeden Tag frisch zubereiteter Hummer angeboten wird.

Lacepede Seafood an der Jetty

Diese Gelegenheit lassen wir nicht ungenutzt verstreichen. Die Bestellung ist nach 20 Minuten ausgeführt und bei Kaisers gibt es das rote Krustentier als Mittagessen. Alleine Ingo möchte nur ein kleines Stückchen und isst mit „langen Zähnen“. Uns anderen schmeckt es ausgezeichnet und Ramona und ich knacken auch das kleinste Röhrchen um an das weiße Fleisch zu kommen.

Auf der Weiterfahrt parallel zum „Coorong National Park“, einem schmalen, zwischen Highway und Meer gelegenen Küstennationalpark mit Salzwasserlagune, Dünen und Salzseen, setzt heftiger Regen ein. Es ist ein mühsames Fahren, zumal der Verkehr immer mehr zunimmt. Vor Adelaide ist der Highway, wie immer vor großen Städten, von einer Landstraße zur mehrspurigen Autobahn geworden auf der sich die Autoschlangen durch Windböen, Regen und Nebel über ein Küstengebirge schieben.

Bergab, Richtung Stadt, geht dann nichts mehr. Durch die gebildeten Gassen fahren Ambulanzfahrzeuge mit Blaulicht vorbei. Etwas später sehen wir den Grund. Auf der abschüssigen Gefällestrecke haben bei dem Starkregen die Bremsen eines Lastzuges versagt und er ist wie ein Schneepflug durch die Autoschlangen gerauscht, die Fahrzeuge links und rechts zur Seite und vor sich her schiebend. Ein Auto hat er sogar durch das Kiesbett der Nothaltespur bis oben vor die Felsen vor sich her geschoben. Puh, das hätte auch uns treffen können wenn wir nur 500 Meter weiter vorne gefahren wären.

Bei diesem Wetter sparen wir uns die Stadtbesichtigung und suchen sofort den Campingplatz auf. Alle gehen duschen und dann machen wir es uns in der Sitzgruppe gemütlich.

Dienstag 18.04.06

Wie üblich schnarrt der Wecker um 6:00 Uhr und zwei Stunden später fahren wir mit dem WOMO eine Sightseeing-Tour durch das schachbrettartig angelegte Adelaide. Vom Ausguck „Ligth View“, ein Platz mit einem Denkmal des Stadtplaners Light, haben wir später einen schönen Blick über den Torrens-Fluss auf die Skyline der Stadt.

Adelaide-City

Später, nachdem die Vorräte wieder ergänzt sind, verlassen wir die Stadt durch die nordöstlichen Vororte in Richtung „Barossa Valley“. Hier in den Vororten stehen rechts und links u.a. liebevoll gepflegte alte Villen mit filigranem Gitterwerk an Veranden, Balkonen und Fenstern.

Das Barossa Valley ist eins von Australiens berühmtesten Weinanbaugebieten. Um das Jahr 1850 besiedelten viele deutsche Auswanderer die Gegend um Adelaide. Unter ihnen waren auch einige Winzer die sich im Barossa Valley niederließen. In der hügeligen Vorgebirgsgegend zählt man heute über 50 Weingüter.

„Jakobs Creek“, das älteste Weingut der Gegend ist unser erstes Ziel. Johann Gramp aus Bayern siedelte 28-jährig im Jahre 1847 am Jakobs Creek. Im folgenden Jahr pflanzte er Reben und produzierte 1850 den ersten Wein im Barossa Valley.

Nach einer Weinprobe verlassen wir mit einigen Flaschen unter dem Arm diesen Ort der süffigen Trauben.

Die Sonne hat sich inzwischen durchgesetzt. Weiter geht’s durch hügelige Weinfelder, oft mit Rosenhecken eingefasst, auf denen die hellen Sorten schon geerntet sind und die Weinlese der roten Trauben in vollem Gange ist. Später wechselt der Anbau von Wein auf Weizen, bis vor Port Augusta der Ackerbau gänzlich aufhört und auf trockenen Flächen wieder Viehwirtschaft beginnt.

In der Touristinformation von Port Augusta besorgen wir uns Info-Material über das Outback, wie die Aussies die gewaltigen Weiten des inneren Kontinents nennen. Nachdem auch unsere Kleidung auf kurze Hosen und T-Shirts gewechselt hat geht es weiter auf die Piste ins rote Zentrum. Ab hier sind auch die Riesenlastzüge, die sogenannten „Road-Trains“, mit Längen bis zu 53,5 Meter zugelassen.

Nach etwa 40 Kilometern, die Sonne neigt sich gegen den Horizont, fahren wir auf einen Parkplatz und stellen uns zwischen die Büsche. 

1. Nachtplatz im Outback

Kurze Zeit später ist die Dämmerung vergangen und ein fantastischer Sternenhimmel wölbt sich über uns.

Während wir Karten spielen ist ein kratzendes, knabberndes Geräusch zu hören. Wir vermuten den Ursprung unter dem Fahrzeug hinter dem Fahrersitz auf der rechten Seite. Im Schein der Taschenlampe ist nichts zu sehen und das Knabbern hat aufgehört, nur um etwas später wieder anzufangen. Erst als wir das Mobil ca. 50 Meter weiter vorfahren kehrt Ruhe ein.

Mittwoch 19.04.06

Eine kalte Nacht liegt wieder hinter uns. Die dünnen Bettdecken reichen bei den niedrigen Temperaturen nicht mehr aus. Ich stehe um 6:00 Uhr auf um in die Morgendämmerung zu fahren. Der Motor muss seine überschüssige Wärme in den Wohnraum abgeben, alle Heizungsschlitze sind geöffnet und der Ventilator arbeitet auf höchster Stufe.

Beim Aufräumen nach dem Frühstück stellen wir fest, dass die Nudeltüte aufgenagt und die Nudeln angeknabbert sind. Auch weitere Plastiktüten und der Plastikbeutel, in dem wir gestern die Kartoffeln gekauft haben, sind angefressen. Wahrscheinlich haben wir beim Einkauf eine Maus mit eingeschleppt, es könnte aber auch sein, dass sie über die Reifen und das Fahrgestell einen Einschlupf gefunden hat. Im Moment können wir nichts ändern und fahren weiter.

Das anfangs noch leicht wellige, von Buschwerk und Spinnifexgras bestandene Land wird zunehmend flacher und karg. Nach einiger Zeit gleißen weiße Flächen in der Sonne, es sind trockene Salzseen. 

Salzsee neben der Straße

Einer von ihnen liegt in unmittelbarer Nähe des Stuart Highway und kann problemlos zu Fuß erreicht werden. Kaum sind wir ausgestiegen, umschwirren uns unzählige Fliegen und lassen erst wieder von uns ab, als wir weit genug auf der glitzernden Salzfläche sind. Grobe Salzkristalle knirschen unter den Sohlen. 

Auf dem Salzsee

Kaum vorstellbar, dass in manchen Jahren ergiebige Regenfälle hier alles überschwemmen und dann die salzigen Seen, von Leben wimmelnd, tausende von Wasservögeln beköstigen.

Hügel der Opalminen

Am Nachmittag ragen immer mehr Schuttkegel aus der Landschaft und 50 Kilometer vor der bekannten Opalstadt „Coober Pedy“ tauchen Schilder auf, die vor aufgegebenen, offenen Minenschächten warnen. Der Name stammt aus der Eingeborenensprache der Aboriginals, wird "kupa pitti" ausgesprochen und bedeutet "weißer Mann im Loch". Die Stadt selber ist keine Augenweide. Heruntergekommene Gebäude, Schrottfahrzeuge, Sand, Staub und rötlich marmorierte Kalkfelsen. Bei näherem Hinsehen erkennt man, dass unter diesen Felsen und unter der Erdoberfläche Menschen wohnen. Tatsächlich leben über die Hälfte der ca. 4000 Einwohner in diesen so genannten „Dugouts“, in den weichen Stein gehauenen Wohnungen. Auch Hotels, Kirchen, Werkstätten, Geschäfte, eine Töpferei und eine Kunstgalerie befinden sich unter der Erde.

Kinderzimmer

In dieser Steinwüste mit magerer Vegetation sind die Tage heiß und die Nächte kalt. Zwischen Dezember und Februar steigen die Temperaturen über 40 Grad im Schatten mit zeitweiligen Sandstürmen. In den Dugouts schwankt dagegen die Temperatur immer zwischen 23 und 25 Grad, ist es also recht komfortabel.

Zusätzlich zu den Dugouts ist das Gebiet um Coober Pedy mit über 250 000 Minenschächten und den zugehörigen Maulwurfshügeln aus Aushub übersät.

Old Timers Mine

Der Himmel hat sich bezogen als wir die „Old Timers Mine“ erreichen und während der Führung auf dem Außengelände fallen sogar eine handvoll Regentropfen. Sie gehören zu den jährlich 175 mm Niederschlag die hier durchschnittlich fallen. Mit einem Schutzhelm versehen geht es dann auf Entdeckungstour durch die alte Mine mit angeschlossener Felsenwohnung. Es schließt sich ein Bummel durch die Opalgeschäfte an und das eine oder andere Mitbringsel wird erworben.

Später auf dem Campingplatz wird große Wäsche gemacht, die Waschmaschine und das trockene Klima muss ausgenutzt werden.



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